Medizinischer Kontrollverlust löste die Kollision aus
Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat den Abschlussbericht zum Zusammenstoss zweier Trams auf dem Albert-Näf-Platz in Zürich-Oerlikon vom 15. September 2025 publiziert. Die Untersuchung kommt zum Schluss, dass eine akute gesundheitliche Beeinträchtigung der Wagenführerin beziehungsweise des Wagenführers des Cobra-Trams den Unfall auslöste. Die betroffene Person erlitt einen Kontrollverlust und verlor das Bewusstsein; anschliessend seien offenbar rein unbewusste Routinehandlungen erfolgt.
Gemäss Sust hielt das Cobra-Tram nach der Abfahrt kurz mitten auf der Kreuzung, fuhr nach rund zwölf Sekunden wieder an und setzte die Fahrt mit etwa 18 km/h bis zur Kollision fort. An das Geschehen fehle der betroffenen Person jede Erinnerung, heisst es im Bericht.
Technische Lücke begünstigte den Unfall
Als einen weiteren begünstigenden Faktor nennt die Sust die fehlende Sicherheitssteuerung in den älteren Cobra-Trams. Eine solche Steuerung würde bei Handlungsunfähigkeit automatisch eingreifen und eine Bremsung auslösen. Die Sust empfiehlt daher, die Einführung moderner Assistenzsysteme zu prüfen.
„An das Geschehen fehlt der Person jede Erinnerung.“
Im Bericht wird zudem vorgeschlagen, das Bundesamt für Verkehr (BAV) zu prüfen, ob moderne Aufmerksamkeitsassistenten sinnvoll sind. Solche Systeme überwachen unter anderem Fahrverhalten und Augenbewegungen der Trampilotinnen und Trampiloten und könnten frühzeitig Handlungsunfähigkeit erkennen.
Auswirkungen für VBZ-Nutzerinnen und -Nutzer sowie Behörden
Die VBZ prüfen laut Bericht eine Nachrüstung der Cobra-Flotte mit einer Sicherheitssteuerung. Für Fahrgäste und Pendler in Zürich bedeutet dies mögliche Änderungen im Betrieb oder vorübergehende Massnahmen, bis technische Nachrüstungen realisiert sind. Sicherheitskontrollen und neue Technikprüfungen könnten künftig häufiger Thema in der Betriebsplanung der VBZ werden.
- Datum des Unfalls: 15. September 2025
- Verletzte: 3 schwer, 1 leicht
- Trams: Cobra-Tram (Linie 14) und Flexity-Tram (Linie 11)
- Empfehlung der Sust: Prüfung von Aufmerksamkeitsassistenten und Nachrüsten der Cobra-Flotte
| Datum | Ort | Verletzte (schwer/leicht) | Betroffene Trams |
|---|---|---|---|
| 15.09.2025 | Albert-Näf-Platz, Oerlikon | 3 / 1 | Cobra (Linie 14), Flexity (Linie 11) |
Der Bericht der Sust liefert keine Hinweise darauf, dass die gesundheitlichen Probleme der betroffenen Person zuvor bekannt waren oder durch die regulären Tauglichkeitsprüfungen hätten erkannt werden können. Damit steht die Frage im Raum, welche technischen Schutzmechanismen für ältere Fahrzeugtypen als Ergänzung zu medizinischen Kontrollen notwendig sind.
Für die Stadt Zürich und die Verkehrsbetriebe ist der Bericht eine Grundlage, um kurzfristige Sicherheitsmassnahmen zu prüfen und langfristige Nachrüstungen zu planen. Für Fahrgäste bleibt zu hoffen, dass die vorgeschlagenen Massnahmen rasch umgesetzt werden, damit solche Ereignisse künftig verhindert werden können.