Scan-Cars: Kein Einsatz in Zürich und Winterthur geplant
Die Stadtpolizeien von Zürich und Winterthur haben einen geplanten Versuch mit sogenannten Scan-Cars vorläufig abgesagt. Diese Fahrzeuge sind mit Kameras und Sensoren ausgerüstet und sollen automatisch falsch parkende Fahrzeuge erkennen, Kennzeichen erfassen und anschliessend Parkbussen auslösen. Der Entscheid beruht auf praktischen Einschränkungen bei der Anwendung der Technologie in den beiden Städten.
Ein grenznahes Pilotprojekt in Waldshut-Tiengen (D) setzte Scan-Cars in den vergangenen drei Monaten ein. Dort wurden nach Angaben der berichtenden Mobilitäts-Plattform rund 3'000 mögliche Parksünder erkannt; daraus resultierten rund 2'000 Bussen. Unter den erfassten Fahrzeugen befanden sich dem Bericht zufolge auch viele Schweizer Einkaufstouristinnen und -touristen.
Technische Grenze: Funktioniert nur bei frontalen Parkplätzen
Der wichtigste Grund, weshalb Winterthur auf ein Pilotprojekt verzichtet hat, ist die örtliche Parkplatzstruktur: In der Stadt gibt es kaum frontale Parkplätze, die für die derzeit verfügbare Scan-Car-Technik nötig wären. Die Technik erfasst Fahrzeuge zuverlässig nur, wenn diese frontal zur Fahrspur abgestellt sind und das Kamera-Fahrzeug vorne oder hinten entlangfährt. Parallelparkierende Fahrzeuge, wie sie in Winterthur vorherrschen, lassen Schilder und Kennzeichen für die eingesetzte Technik nicht ausreichend lesbar erscheinen.
«Wir haben das Projekt deshalb zurückgestellt.» — Michael Wirz, Polizeisprecher Winterthur
Auch die Stadtpolizei Zürich teilte auf Anfrage mit, dass der Einsatz solcher Kamera-Autos derzeit kein Thema sei. Konkrete Pilotversuche in der Stadt wurden demnach nicht gestartet.
Auswirkungen für Verkehrskontrolle und Öffentlichkeit
Die Zurückstellung bedeutet, dass in Zürich und Winterthur die automatisierte Erfassung von Parksünden durch Scan-Cars vorerst nicht stattfindet. Für die Bevölkerung heisst das konkret:
- Parkraumüberwachung bleibt weiterhin primär Aufgabe der herkömmlichen Kontrolleure und bisherigen Überwachungsinstrumente.
- Automatisierte Massenkontrollen wie in Waldshut-Tiengen werden in diesen Städten nicht eingeführt, solange die Parkplatzstruktur eine zuverlässige Erfassung verhindert.
- Datenschutz- und Lesbarkeitsfragen bleiben relevante Rahmenbedingungen bei künftigen Evaluationen solcher Systeme.
Der Fall zeigt zudem: Lokal unterschiedliche Parkplatzformen beeinflussen die technische Umsetzbarkeit digitaler Überwachungsinstrumente. Städte mit überwiegend parallelem Parken benötigen andere technische Ansätze oder angepasste Hardware, damit automatische Systeme die Beschilderung und Kennzeichen zuverlässig erfassen können.
Kurzübersicht: Verglichene Daten
| Ort | Erfasste mögliche Parksünder | Ausgestellte Bussen |
|---|---|---|
| Waldshut-Tiengen (D) | ~3'000 | ~2'000 |
| Winterthur | Projekt zurückgestellt — keine Erfassung | |
| Zürich | Derzeit kein Einsatz geplant | |
Ob und wann Zürich oder Winterthur Testläufe mit angepasster Technik wie seitlich ausgerichteten Sensoren oder zusätzlichen Erkennungsverfahren durchführen, ist offen. Entscheidend werden technische Machbarkeit, Kosten und rechtliche wie datenschutzrelevante Abklärungen sein. Bis zu einer neuen Prüfung bleibt die manuelle Parkraumüberwachung das zentrale Mittel zur Durchsetzung der Parkregeln.