Konflikt um Abriss und Leerkündigung in Arbon
In Arbon hat die Ankündigung, sieben Mehrfamilienhäuser abzubrechen, eine Welle von Protesten ausgelöst. Rund 100 Mieterinnen und Mieter wurden per Schreiben über die geplante Räumung informiert. Die betroffenen Liegenschaften stammen aus den Jahren 1968 und 1970. Nach Bekanntwerden der Absichten organisierten sich zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner, 31 von ihnen wollen die Leerkündigung vor der Schlichtungsstelle anfechten.
Die Kündigungen sehen vor, die erste Hälfte der Wohnungen bis Ende Februar 2027 leer zu haben; die zweite Hälfte soll ein Jahr später geräumt werden. In den jetzigen Gebäuden gibt es insgesamt 51 Wohnungen. Nach Abschluss der Neubauten sollen daraus 71 Wohnungen entstehen — deutlich mehr Einheiten bei gleichzeitiger Verdrängung bestehender Mieterschaften.
Betroffene und ihre Anliegen
Die Stimmung unter den Betroffenen ist angespannt. Bewohnerinnen, die seit Jahrzehnten in den Häusern leben, sprechen von Empörung und Verzweiflung. Eine Bewohnerin, die seit 24 Jahren an der Obstgartenstrasse wohnt, sagte:
«Wir lassen uns nicht einfach auf die Strasse stellen» — Christa Francini (61).
Auch eine weitere Mieterin bringt die Haltung der Betroffenen auf den Punkt:
«Wir müssen uns gegen die Leerkündigung wehren» — Irene Kupperman-Rickenbach (74).
Stadt als Miteigentümerin wird kritisiert
Ein weiterer Zündstoff in der Debatte ist die Beteiligung der Stadt Arbon an der Immobilienfirma, die Eigentümerin der Liegenschaften ist. Dies führt bei Betroffenen zu zusätzlicher Empörung, weil die Stadt in ihrer Rolle als Mitbesitzerin als mitverantwortlich für die Konsequenzen wahrgenommen wird. Konkrete Stellungnahmen der Stadt oder der Immobilienfirma sind im vorliegenden Bericht nicht enthalten.
Konkrete Auswirkungen und offene Fragen
- Betroffene Haushalte: Rund 100 Personen bzw. Haushalte müssen ihre Wohnungen räumen.
- Rechtliche Schritte: 31 Mieterinnen und Mieter bereiten eine Anfechtung der Leerkündigung vor.
- Baupläne: Ersatzneubau mit 71 Wohnungen statt bisherigen 51.
Wesentliche Fragen bleiben: Wie werden Ersatzwohnungen organisiert? Welche Fristen und Unterstützungsangebote bestehen für die Räumung? Und welche Aussagen machen Stadt und Eigentümer zur Verantwortung und zu möglichen sozialen Ausgleichsmassnahmen? Diese Punkte sind für die betroffenen Haushalte von zentraler Bedeutung.
| Bestand | Anzahl |
|---|---|
| Aktuelle Wohnungen | 51 |
| Geplante neue Wohnungen | 71 |
| Betroffene Mieterinnen und Mieter | ≈100 |
| Die die Kündigung anfechten | 31 |
Für die Einwohnerinnen und Einwohner von Arbon ist der Fall ein Beispiel dafür, wie städtebauliche Erneuerung und die Rechte bestehender Mieterschaften in Konflikt geraten können. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob die Anfechtungen vor der Schlichtungsstelle Erfolg haben und wie Stadt und Eigentümer auf die Kritik der Betroffenen reagieren.