Schweizer stehen KI in Gesundheitsfragen zurückhaltend gegenüber
Fast die Hälfte der Schweizerschaft ist derzeit nicht bereit, bei gesundheitlichen Problemen eine Beratung durch Künstliche Intelligenz anstelle eines Arztbesuchs in Anspruch zu nehmen. Das zeigt eine länderübergreifende Studie des Pharmaunternehmens Stada, die in 20 europäischen Ländern repräsentative Bevölkerungsbefragungen durchführte.
Konkrete Zahlen für die Schweiz: 48 Prozent der Befragten gaben an, sie seien nicht offen für eine KI‑Beratung. Zugleich erklärten 51 Prozent, sie könnten sich vorstellen, eine KI‑Beratung anstelle eines Arztbesuchs zu nutzen. Damit liegt die Schweiz unter dem europäischen Durchschnitt, wo 58 Prozent eine solche Verlagerung prinzipiell akzeptieren.
- Die Studie befragte in 20 Ländern jeweils zwischen 500 und 2000 Personen im Alter von 18 bis 87 Jahren.
- In der Schweiz zeigt sich ein deutlich grössere Vertrautheit mit Hausärzten als in vielen anderen europäischen Staaten.
- Ärztinnen und Ärzte sehen sowohl Chancen als auch Risiken in einer stärkeren KI‑Nutzung.
Der Direktor des Instituts für Hausarztmedizin an der Universität Zürich, Thomas Rosemann, ordnet die Ergebnisse als Ausdruck einer engen Patienten‑Hausarzt‑Beziehung ein. Er betont, dass die Zurückhaltung nicht aus Technikfeindlichkeit resultiere:
«Die Schweizer sind nicht etwa zu wenig technikaffin, sondern haben eine stärkere Bindung an den Hausarzt, als das in anderen Ländern der Fall ist.»
Aus medizinischer Sicht kann der Einsatz von KI unterschiedlich wahrgenommen werden: Einige Ärztinnen und Ärzte begrüssen, wenn Patienten sich vorab mithilfe von Chatbots informieren, andere warnen vor Fehldeutungen, fehlender Kontext‑Erfassung und möglichen Risiken bei der Selbstdiagnose. Die Studie dokumentiert vor allem die Einstellung der Bevölkerung, nicht die klinische Leistungsfähigkeit einzelner Tools.
Für das Gesundheitswesen ergeben sich daraus mehrere praktische Konsequenzen: Dienstleister und App‑Anbieter müssen das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer gewinnen, transparente Informationen und klare Grenzen der Anwendung kommunizieren sowie die Schnittstelle zwischen KI‑Instrumenten und betreuender Medizin weiterentwickeln. Gleichzeitig bleibt die Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte in der Schweiz zentral — sowohl für die Erstabklärung als auch für die Beurteilung und Einordnung von KI‑Generierten Ergebnissen.
| Indikator | Schweiz | Europa (Durchschnitt) |
|---|---|---|
| Nicht offen für KI‑Beratung | 48% | — |
| Offen für KI statt Arztbesuch | 51% | 58% |
Die Daten zeigen: Möglichst viele technische Innovationen werden nur dann breite Akzeptanz finden, wenn sie in das bestehende Vertrauensnetz zwischen Patientinnen, Patienten und Hausärzten eingebettet sind.