Der umstrittene Grimseltunnel steht im Zentrum der Debatte um das nationale Verkehrspaket Verkehr 45. Vertreter einer Interessengemeinschaft trafen sich in Montreux zur Generalversammlung, um für ein Projekt einzutreten, das Innertkirchen (BE) mit Oberwald (VS) verbinden soll. Das Projekt ist Teil der wenigen als priorisiert eingestuften Grossvorhaben und löste bereits scharfe Kritik von Bundesrat Albert Rösti aus.
Wer sind die Treibenden hinter dem Projekt?
Die Interessengemeinschaft Grimseltunnel vereint Personen und Institutionen aus Politik und Tourismus. Im Vorstand finden sich Vertreter mehrerer Kantone mit direkten Verbindungen zur Branche. Auffallend sind zwei Persönlichkeiten:
- Gerhard Fischer, Vorstandsmitglied, früher SVP-Grossrat im Kanton Bern und einer der frühen Befürworter; an der Versammlung betonte er die Attraktivität des Projekts.
- Laurent Wehrli, Nationalrat (FDP) und Verwaltungsratspräsident der Montreux-Berner Oberland-Bahn (MOB); er plädiert für eine ausgewogene Mittelverteilung zwischen städtischen und ländlichen Verkehrsvorhaben.
„Wenn man weiss, dass man mit 23 Kilometern ein Schmalspurnetz von 850 Kilometern realisieren könnte, dann ist die Idee natürlich faszinierend.“ — Gerhard Fischer
Was genau wird versprochen — und welche Fragen bleiben?
Die Befürworter sehen im Tunnel nicht nur eine lokale Verbindung, sondern ein Stück eines viel grösseren Konzepts: Durch einen Abschnitt von 23 Kilometern könnte demnach ein zusammenhängendes Schmalspurnetz von bis zu 850 Kilometern realisiert werden. Das spricht insbesondere touristische Kreise an, die sich eine bessere Verbindung nördlich und südlich der Alpen erhoffen.
Gleichzeitig steht das Projekt in einem nationalen politischen Kontext: Verkehr 45 enthält mehrere Grossvorhaben, doch nur wenige werden priorisiert. Die Entscheidung darüber fällt im Parlament im Herbst — und dort wird der Grimseltunnel stark umstritten sein, wie die Kritik von Bundesrat Rösti andeutet.
Wesentliche Akteure und ihre Rollen
| Akteur | Rolle |
|---|---|
| Interessengemeinschaft Grimseltunnel | Lobbygruppe, Koordination der Befürworter |
| Gerhard Fischer | Vorstandsmitglied, früherer SVP-Grossrat, früher Befürworter |
| Laurent Wehrli | Nationalrat (FDP), MOB-Verwaltungsratspräsident, politischer Fürsprecher |
| Bundesrat Albert Rösti | Kritiker der Priorisierung im Rahmen von Verkehr 45 |
Was bedeutet das für die nationale Debatte?
- Im Herbst entscheidet das Parlament über die Priorisierung von Projekten innerhalb von Verkehr 45. Der Grimseltunnel gehört zur kleinen Zahl priorisierter Grossvorhaben und wird daher breit diskutiert werden.
- Die Verknüpfung regionaler Verkehrsinteressen mit nationalen Finanzierungsfragen steht im Mittelpunkt: Befürworter argumentieren mit touristischem Mehrwert und regionaler Entwicklung, Kritiker mit Kosten-Nutzen-Abwägungen und Prioritätensetzung.
- Die Präsenz politischer Mandatsträger in der Lobby zeigt, dass der Vorstoss über lokale Begehrlichkeiten hinaus nationalen Rückhalt sucht.
Das weitere Vorgehen ist klar terminiert: Die Vorlage zu Verkehr 45 wird im Herbst im Parlament beraten. Dann wird sich zeigen, ob die Argumente für eine Verbindung nördlich und südlich der Alpen — und die in Montreux versammelte Lobby — genügend Gewicht erhalten, um den Grimseltunnel dauerhaft in die nationale Prioritätenliste zu heben.