Soziale Einbindung wichtiger als Arbeitsplatz
Die jüngste Erhebung der Initiative Valais4you unter 786 Zugezogenen im Kanton Wallis macht deutlich: Ein attraktives Stellenangebot und die Natur sind zentrale Gründe, warum Fachkräfte in den Kanton ziehen. Ob sie jedoch tatsächlich langfristig bleiben, entscheidet sich nicht primär am Arbeitsplatz, sondern am Ausmass ihrer sozialen Integration.
Insgesamt geben 77 Prozent der Teilnehmenden an, sie könnten sich vorstellen, auch bei einem Stellenwechsel im Wallis zu bleiben. Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen Sprachgruppen: Von den deutschsprachigen Befragten bejahen dies 83 Prozent, bei den englischsprachigen sind es 67 Prozent. Die Studie weist darauf hin, dass sich das Festlegen auf die Region oft erst in einem kritischen Zeitfenster zwischen drei und fünf Jahren entscheidet.
Vereinsleben und Zugehörigkeitsgefühl als Dauerfaktoren
Die Untersuchung weist besonders auf die Rolle von Vereinen hin: Wer Mitglied in einem Verein ist, fühlt sich über Sprachgrenzen hinweg besser integriert. Ebenso ist ein starkes Zugehörigkeitsgefühl mit einer höheren Bleibeabsicht verknüpft. Die Autorinnen und Autoren der Umfrage sehen in der sozialen Einbindung einen entscheidenden Faktor für die langfristige Personalsicherung im Wallis.
- Wichtigste Gründe für Zuzug: gutes Stellenangebot und Natur.
- Entscheidend für Verbleib: sozial integriert fühlen, besonders Vereinsmitgliedschaft und Zugehörigkeitsgefühl.
- Kritisches Zeitfenster: 3–5 Jahre, in dem viele, vor allem Englischsprachige, die Region wieder verlassen.
Geforderte Massnahmen und lokale Folgen
Gefragt nach Verbesserungen nennen Teilnehmende konkretere Angebote im Alltag: mehr soziale Treffpunkte, ein breiteres Gastronomieangebot, lebendigere Wochenenden und eine bessere medizinische Grundversorgung. Valais4you schlägt niederschwellige Begegnungsformate vor, etwa offene Meetup-Gruppen. Der Steuerungsausschuss will diese Ansätze weiter prüfen und bis im Herbst mögliche Schritte definieren.
Für Gemeinden, Arbeitgeber und Zivilgesellschaft im Wallis ergibt sich daraus eine klare Handlungsanweisung: Es genügt nicht, allein Stellen zu schaffen. Um die Zugewanderten nachhaltig an die Region zu binden, sind Massnahmen gefragt, die Begegnungen erleichtern und Zugehörigkeit stiften. Das betrifft kommunale Angebote, Vereinsförderung, das kulturelle und gastronomische Angebot vor Ort sowie die Zugänglichkeit der Gesundheitsversorgung.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Teilnehmende | 786 |
| Bleibeabsicht insgesamt | 77 % |
| Deutschsprachige Bleibeabsicht | 83 % |
| Englischsprachige Bleibeabsicht | 67 % |
| Kritisches Zeitfenster | 3–5 Jahre |
Für lokale Arbeitgeber bedeutet dies: neben Karrieremöglichkeiten und Lohnstrukturen vermehrt in soziale Integration investieren — etwa durch Vereinsnetzwerke, Willkommensangebote und Freizeit-Infrastruktur. Kommunen sollten die Erkenntnisse beim Aufbau von Begegnungsräumen und bei der Planung von Dienstleistungsangeboten berücksichtigen. So können Aus- und Neubürger eher zu langfristigen Einwohnerinnen und Einwohnern des Wallis werden.