Konflikt um Podiumsbesetzung bei Festival für Zukunftstechnologien
Beim Käpsele Innovation Festival in Freiburg, das am Donnerstag mit Vorträgen und Diskussionsrunden zu Zukunftstechnologien beginnt, ist die Teilnahme eines Vertreters der US-Softwarefirma Palantir auf Kritik gestossen. Der Freiburger Ableger des Chaos Computer Club (CCC) hat in einem offenen Brief an die Veranstalter die Ausladung von Courtney Bowman, Datenschutzbeauftragter von Palantir, verlangt.
Die Kritik richtet sich einerseits gegen das Unternehmen selbst und andererseits gegen die inhaltliche Besetzung des Panels, das unter anderem die Frage europäischer Souveränität im Digitalsektor behandeln soll. Palantir ist bekannt für Software zur Zusammenführung und Analyse grosser Datenmengen; diese werde nachweislich auch von Sicherheitsbehörden und der US-Einwanderungsbehörde ICE eingesetzt, heisst es in der öffentlichen Debatte.
Positionen: Veranstalter versus CCC
Die Veranstalter — darunter die städtische Wirtschaftsförderungsorganisation FWTM sowie die IHK südlicher Oberrhein — wiesen die Vorwürfe in einem Schreiben zurück. Sie betonten, dass die Programmausgestaltung von Beginn an ausdrücklich Platz für kritische Stimmen vorsehe, um einen fachlichen Dialog verschiedener Perspektiven zu ermöglichen.
"Es ist aus unserer Sicht nicht angemessen, dass Vertreter dieser Firma auf einem staatlich finanzierten Festival völlig unkritisch auf ein Podium eingeladen werden", sagt Sebastian Müller vom Chaos Computer Club Freiburg.
Der CCC fordert, dass einem Palantir-Vertreter auf einem öffentlich finanzierten Festival keine Bühne geboten werde. Sebastian Müller kritisiert ausserdem, dass führende Personen hinter Palantir sich in der Vergangenheit abfällig gegenüber freiheitlich-demokratischen Grundordnungen geäussert hätten. Die Veranstalter entgegnen, dass kritische Positionen im Panel vorgesehen seien.
- Wer kritisiert: Chaos Computer Club Freiburg, namentlich Sebastian Müller.
- Weshalb: Teilnahme eines Palantir-Vertreters an öffentlichem, teilweise staatlich finanziertem Festival; negative Vergangenheit von Palantir in Bezug auf die Nutzung durch Behörden.
- Antwort der Veranstalter: FWTM und IHK betonen die Einplanung kritischer Perspektiven und die Absicht eines fachlichen Austauschs.
Was das für Freiburg bedeutet
Die Auseinandersetzung berührt mehrere Bereiche von lokalem Interesse: die Verwendung öffentlicher Mittel für Veranstaltungen, die Rolle von Unternehmen mit umstrittenen Geschäftsmodellen in öffentlichen Debatten und die Informationslage für Entscheiderinnen und Entscheider im Bereich digitale Infrastruktur. Für die Bevölkerung ist relevant, dass auf dem Festival Fragen der digitalen Souveränität diskutiert werden — ein Thema, das direkte Auswirkungen auf Datenschutz, öffentliche Auftragsvergabe und Zusammenarbeit mit Technologieanbietern haben kann.
| Akteur | Standpunkt |
|---|---|
| Chaos Computer Club Freiburg | Ausladung von Palantir-Vertreter; Kritik an Beteiligung auf öffentlichem Podium |
| FWTM / IHK südlicher Oberrhein | Verweis auf kritische Positionen im Programm; Ziel: fachlicher Dialog |
Konkrete Folgen für das Festival sind derzeit nicht bekannt: Der Palantir-Vertreter ist weiterhin eingeladen, und das Programm sieht Diskussionen zur europäischen Souveränität im Digitalsektor vor. Für Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons bleibt wichtig zu verfolgen, wie Veranstalter und Stadt mit Einwänden zu Transparenz, Finanzierung und inhaltlicher Balance umgehen.
Weitere Informationen könnten aus den offiziellen Reaktionen der beteiligten Institutionen und aus der Diskussion vor Ort am Festivalabend resultieren. Besucherinnen und Besucher des Käpsele Innovation Festival dürften besonders daran interessiert sein, wie die Moderation die verschiedenen Perspektiven gewichtet und welche Schlussfolgerungen für Politik und Verwaltung gezogen werden.