Mehr Werkzeuge für nachhaltige Tourismusentwicklung
Der Deutsche Tourismusverband (DTV) hat die zweite Auflage seines Praxisleitfadens zur nachhaltigen Entwicklung von Tourismusdestinationen vorgelegt. Die Publikation richtet sich an touristische Organisationen und andere Akteure, die Nachhaltigkeit systematisch in Strategie, Umsetzung und Organisation verankern wollen. Erarbeitet wurde die neue Ausgabe in Kooperation mit reCET; finanziell unterstützt wurde das Projekt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klima, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
Neue Instrumente und digitaler Zugang
Die aktualisierte Fassung baut den bisherigen Ansatz aus und ergänzt ihn um konkrete Werkzeuge für das Management nachhaltiger Destinationsentwicklung. Im Zentrum stehen unter anderem:
- die engere Verknüpfung der Kriterien mit einem Indikatorenset für nachhaltigen Tourismus,
- ein praxisorientiertes Stellenprofil für das Nachhaltigkeitsmanagement in Destinationen,
- eine digitale Plattform, die die Inhalte zusätzlich zur gedruckten Ausgabe bereitstellt und den Zugang zu Praxisbeispielen erleichtern soll.
Der digitale Zugang soll es lokalen und regionalen Verantwortlichen erleichtern, bewährte Vorgehensweisen zu übernehmen und kontinuierlich auf neue Instrumente zuzugreifen.
Survey: Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung — Umsetzung bleibt schwierig
Begleitend zur Publikation legte der DTV die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage unter 379 Tourismusorganisationen vor. Die wichtigsten Erkenntnisse:
| Indikator | Ergebnis |
|---|---|
| Zunahme der Bedeutung in den letzten 3 Jahren | ~70 % |
| Erwartete weitere Zunahme | 72 % |
| Organisationen mit umfassender Verankerung | 24 % |
| Organisationen mit personellen Ressourcen | 44 % |
Die Werte zeigen, dass Nachhaltigkeit in der Breite an Bedeutung gewinnt. Gleichzeitig belegen sie, dass nur ein Teil der Destinationen bereits über strukturierte Kapazitäten verfügt, um die strategischen Ziele praktisch umzusetzen.
Ressourcen bleiben die grösste Hürde
Die Umfrage macht deutlich, dass fehlende Ressourcen — vor allem Zeit und Personal — die grössten Hemmnisse bei der Umsetzung nachhaltiger Massnahmen darstellen. Damit bleibt die Kluft zwischen ambitionierten Zielsetzungen und praktischer Umsetzung bestehen: Zwar stufen viele Akteure Nachhaltigkeit als wichtiger ein, doch fehlen vielfach die dauerhaften Kapazitäten, um Projekte zu planen, zu implementieren und fortlaufend zu begleiten.
Die erweiterte Toolbox des Leitfadens zielt genau auf dieses Defizit: Mit klaren Indikatoren, einem differenzierten Stellenprofil und einfacher zugänglichen Praxisbeispielen will der DTV Destinationen helfen, Nachhaltigkeit institutionell zu verankern und messbarer zu gestalten. Ob und in welchem Tempo sich dadurch die Umsetzungsbarrieren verringern, wird massgeblich von der Verfügbarkeit finanzieller Mittel und personeller Kapazitäten auf kommunaler und regionaler Ebene abhängen.
Für Entscheiderinnen und Entscheider in Destinationen bietet die Publikation einen strukturierten Rahmen, um bestehende Prozesse zu prüfen und die Verantwortlichkeiten für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz sowie wirtschaftliche und soziale Aspekte zu schärfen. Auf nationaler Ebene liefert der Leitfaden zudem eine Grundlage, um Förder- und Unterstützungsangebote gezielt auszurichten und die Wirksamkeit politischer Massnahmen besser zu messen.