Arbeiten werden schrittweise eingestellt
Die Gemeinde Pratteln hat die Bauarbeiten am Ersatz für die wegen Sicherheitsmängeln abgerissenen Coop-Passerelle vorläufig gestoppt. Hintergrund ist die Entscheidung der Baselbieter Finanz- und Kirchendirektion, einer Stimmrechtsbeschwerde gegen den bewilligten Nachtragskredit aufschiebende Wirkung zu erteilen. Ohne diese Mittel kann die Gemeinde das Projekt vorerst nicht weiterführen.
Die alte Fussgängerbrücke über die Gleise beim Bahnhof war Ende 2024 abgerissen worden. An der Urne genehmigten die Stimmberechtigten im Herbst 2023 ursprünglich einen Neubau für knapp 7 Millionen Franken sowie 350'000 Franken für Landerwerb. Weil Bund und SBB das Vorhaben unterstützen, hätte die Gemeinde noch rund 4,5 Millionen Franken zu tragen.
Kostensprung in der Projektierung
Während der detaillierten Projektierung zeigte sich, dass der bewilligte Betrag nicht ausreicht. Die aktualisierten Baukosten betragen nun 10,8 Millionen Franken. Nach Abzug der Beteiligung von Bund und SBB verbleiben für die Gemeinde rund 7,3 Millionen Franken. Im Dezember 2025 bewilligte der Einwohnerrat einen Nachtragskredit von 3,8 Millionen Franken, gegen den anschliessend eine Stimmrechtsbeschwerde eingereicht wurde.
| Posten | Betrag (Fr.) |
|---|---|
| Ursprünglich genehmigter Neubau | ~7'000'000 |
| Landerwerb | 350'000 |
| Aktualisierte Gesamtkosten | 10'800'000 |
| Finanzbedarf Gemeinde (nach Abzug Bund/SBB) | ~7'300'000 |
| Bewilligter Nachtragskredit Einwohnerrat (Dez 2025) | 3'800'000 |
Politische und lokale Folgen
Die Mehrkosten hatten bereits innerpolitisch Kritik ausgelöst, insbesondere von bürgerlichen Parteien. Mit der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde dürften die Diskussionen nochmals an Schärfe gewinnen, zumal die Gemeinde nach eigener Mitteilung darüber informiert worden sei, dass eine weitere Kostensteigerung möglich ist. Die zuständige Gemeinderätin Petra Ramseier (Unabhängige Pratteln) betont, man wolle den Marschhalt nutzen, um die Kostenentwicklung vertieft zu prüfen und verantwortungsvoll über das weitere Vorgehen entscheiden zu können:
«Der Gemeinderat wolle nun den Marschhalt nutzen, um die Kostenentwicklung vertieft zu prüfen und verantwortungsvoll über das weitere Vorgehen entscheiden zu können.»
Die Baumaßnahmen auf der Baustelle werden schrittweise eingestellt. Für die Bevölkerung bringt die Entscheidung unmittelbare Folgen: Die Sperrung der Zehntenstrasse soll zwar aufgehoben werden, dies ist laut Mitteilung «spätestens bis Ende Juli» vorgesehen, doch der Ersatz der wichtigen Fussgängerverbindung über die Gleise verzögert sich damit deutlich.
- Rund 10,8 Millionen Franken betragen die aktualisierten Kosten des Brückenprojekts.
- Für Pratteln verbleiben nach Abzug von Bund/SBB rund 7,3 Millionen Franken Eigenanteil.
- Die Zehntenstrasse-Sperrung soll bis spätestens Ende Juli aufgehoben werden; die Passerelle selbst wird später fertig.
Für die Einwohnerinnen und Einwohner bedeutet der Baustopp mehr als eine Verzögerung: Der Wegfall der direkten Fussverbindung über die Gleise beeinflusst Wegejagden und die Erreichbarkeit von Bahnhof, Geschäften und Arbeitsplätzen. Zugleich stellt der aufgezeigte Kostenanstieg den Gemeinderat vor finanzpolitische Entscheidungen, die sowohl die langfristige Budgetplanung als auch die Diskussionen im Einwohnerrat und bei den Stimmberechtigten prägen werden.