Mobile Bepflanzung statt fixe Bäume
Die Stadt Solothurn setzt auf mobile Bäume, um den versiegelten Klosterplatz in heissen Sommern erträglicher zu machen. Seit rund zwei Jahren stehen dort fünf Ahornbäume nicht im Boden, sondern in Stahltrögen. Diese werden als temporäre Schattenspender eingesetzt und lassen sich bei Bedarf mit einem Gabelstapler versetzen.
Warum diese Lösung?
Der zentrale Vorteil liegt in der Flexibilität. Die Stadt kann den Platz je nach Anlass oder Entwicklungsstufe umbauen, ohne langfristig in feste Baumstandorte investieren zu müssen. Andreas Filosi, Leiter Bau und Umwelt, verweist auf den politischen Auftrag, den Klosterplatz von einem Parkplatz zu einem «Aufenthalts- und Begegnungsort» umzuwandeln:
«Der Klosterplatz soll von einem Parkplatz zu einem Aufenthalts- und Begegnungsort umgewandelt werden. So lautet der politische Auftrag.»
Solche mobilen Lösungen erlauben ausserdem, verschiedene Anordnungen und Baumtypen praktisch zu erproben, bevor über die endgültige Gestaltung des Platzes entschieden wird. Die Stadt gewinnt so praktische Erfahrungen statt nur theoretische Planungsgrundlagen.
Wissenschaftliche Begleitung liefert Daten
Die Wirkung der mobilen Bäume wird nicht allein nach subjektivem Eindruck beurteilt: Im Rahmen des vom Bund unterstützten Forschungsprojekts «Mobile Urban Green» hat die Berner Fachhochschule untersucht, wie stark der Kühleffekt ausfällt und welchen sozialen Einfluss die Begrünung auf einen Stadtraum besitzt. Berücksichtigt wurden unter anderem folgende Faktoren:
- Baumhöhe
- Kronengrösse
- Stammdicke
- Wasserverbrauch
- Verdunstung
- Dichte des Blattwerks
Der Fokus der Forschung lag weniger auf der reinen Lufttemperatur als auf der gefühlt empfundenen Temperatur, also darauf, wie warm sich ein Ort unter Sonneneinstrahlung und weiteren Faktoren für Menschen anfühlt. Wärmebildaufnahmen haben bereits gezeigt, dass Bäume urbane Hitzeinseln deutlich abmildern können.
Konkrete Auswirkungen für die Bevölkerung
Für Anwohnende und Besucherinnen und Besucher bedeutet die mobile Bepflanzung:
- Mehr Schatten an heissen Tagen und damit bessere Aufenthaltsqualität auf dem Klosterplatz.
- Die Möglichkeit, unterschiedliche Nutzungs- und Gestaltungsvarianten praktisch zu testen, bevor feste Eingriffe in den öffentlichen Raum erfolgen.
- Gezielte Datengrundlagen für zukünftige Entscheide zur Stadtbegrünung, etwa bezüglich Baumarten, Standortwahl und Bewässerung.
Praktische Hinweise
Die mobilen Bäume sind wartungsbedürftig: Sie benötigen regelmässig Wasser und Pflege, insbesondere in Trockenphasen. Da die Bäume in Trögen stehen, sind Bewässerungssysteme und Pflegekonzepte zentral für ihre Wirkung und Überlebensfähigkeit. Die Stadt nutzt die Testphase, um solche betrieblichen Abläufe zu optimieren.
Langfristig liefert die Kombination aus Praxisversuch und wissenschaftlicher Begleitung Entscheidungsgrundlagen: Welche Baumgrössen, Standortkonstellationen und technischen Lösungen am besten geeignet sind, um städtische Hitze wirksam zu bekämpfen und zugleich einen attraktiven öffentlichen Raum zu schaffen.
| Aspekt | Nutzen im Test |
|---|---|
| Mobilität | Erlaubt flexible Platznutzung und Versuche |
| Schattenspende | Verbessert gefühlte Temperatur und Aufenthaltsqualität |
| Wissenschaftliche Begleitung | Lieferung konkreter Entscheidungsgrundlagen |