Grosse Mehrheit der Saastal-Gemeinden weist Defizitgarantie zurück
Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der drei Saastal-Gemeinden Saas-Grund, Saas-Balen und Saas-Almagell haben an der Urne eine Defizitgarantie für die im Bau befindliche Eishalle abgelehnt. Bei einer hohen Stimmbeteiligung von rund 90 Prozent lag die Ablehnung bei gut 60 Prozent. Damit ist offen, wie das Projekt weitergeführt werden kann und ob die Halle vollendet wird.
Die neue Halle war als Sport- und Eventanlage geplant und soll dem Eishockeyclub Saastal als Spielstätte dienen, damit die First-League-Ambitionen des Klubs unterstützt werden können. Die Bauarbeiten hatten 2024 begonnen. Seither haben sich die Kosten deutlich erhöht: Aus ursprünglich geplanten 10,5 Millionen Franken wurde ein Finanzbedarf von rund 14 Millionen Franken, wie in den Projektunterlagen ausgewiesen wurde.
Als Bedingung für eine Weiterfinanzierung verlangten die drei wichtigsten Gläubiger — eine Bank, eine Baufirma und ein Elektrodienstleister — eine kommunale Defizitgarantie. Diese hätte die Gemeinden verpflichtet, bis zu 200'000 Franken jährlich zu übernehmen. Die Vorlage scheiterte nun in allen drei Gemeinden.
„Ich bin einfach froh, dass alle drei Gemeinden die Vorlage im gleichen Rahmen verworfen haben“, sagte Alwin Venetz, Gemeindepräsident von Saas-Grund.
Die Ablehnung wirft mehrere unmittelbare Fragen auf. Zentrale Akteurinnen und Akteure des Vorhabens hatten bereits signalisiert, zusätzliches Kapital bereitzustellen, sofern eine kommunale Garantie ausgesprochen würde. Ohne diese Zusage sind die Gläubiger jedoch nicht verpflichtet, die von ihnen angekündigte Mehrfinanzierung einzubringen. Das lässt offen, ob die Bauarbeiten fortgesetzt, gestoppt oder auf unbestimmte Zeit ausgesetzt werden.
Der Gemeindepräsident von Saas-Grund wies darauf hin, dass man derzeit keine Kenntnis von Alternativplänen habe: „Wir wissen nichts von einem Plan B, C oder D“. Diese Unsicherheit betrifft nicht nur die Bauherrschaft und die Kreditgeber, sondern potenziell auch lokale Arbeitsplätze, bereits getätigte Vorleistungen von Firmen und die zukünftige Nutzung der Infrastruktur.
- Betroffene Gemeinden: Saas-Grund, Saas-Balen, Saas-Almagell
- Stimmbeteiligung: rund 90 Prozent
- Abstimmungsergebnis: Ablehnung bei gut 60 Prozent
- Ursprünglicher Baukredit: 10,5 Mio. Franken
- Aktueller Finanzbedarf: ca. 14 Mio. Franken
- Geforderte Defizitgarantie: 200'000 Franken pro Jahr
| Position | Betrag / Prozent |
|---|---|
| Ursprünglicher Kostenvoranschlag | 10,5 Mio. CHF |
| Neuer geschätzter Finanzbedarf | 14 Mio. CHF |
| Geforderte kommunale Garantie | 200'000 CHF/Jahr |
| Stimmbeteiligung | ~90 % |
| Anteil Ablehnung | ~60 % |
Für die Bevölkerung ergeben sich daraus praktische Folgen: Werden die Bauarbeiten eingestellt, drohen Mehrkosten und Verzögerungen. Eine unvollendete Baustelle kann zu Wertverlusten, Zusatzaufwand und rechtlichen Auseinandersetzungen mit Lieferanten und der Baufirma führen. Darüber hinaus ist offen, wie der EHC Saastal seine Heimspiele künftig austragen soll; momentan sind Ausweichmöglichkeiten vorhanden, etwa in Visp oder auf Natureis in Saas-Almagell, doch diese Lösungen sind für den Spielbetrieb der ersten Liga suboptimal.
Die Verantwortung für das weitere Vorgehen liegt nun bei den Projektträgern, den Gläubigern und den beteiligten Gemeinden. Konkrete Schritte — etwa Verhandlungen mit den Kreditgebern, Suche nach privaten Sponsoren, Anpassung des Bauprojekts oder die Prüfung alternativer Finanzierungsmodelle — wurden bisher nicht kommuniziert. Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob das Projekt gerettet werden kann oder ob die Saastal-Bevölkerung mit einer Bauruine rechnen muss.