Unfallhergang und Untersuchungsergebnis
Im September 2025 stiessen beim Bahnhof Oerlikon zwei Trams der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) zusammen. Bei der Kollision auf dem Albert-Näf-Platz wurden drei Personen schwer und eine Person leicht verletzt. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat nun den Abschlussbericht veröffentlicht und die Ursachen analysiert.
Die Sust rekonstruiert einen ungewöhnlichen Fahrtverlauf: Das Cobra-Tram der Linie 14 hielt nach Abfahrt kurz mitten auf einer Kreuzung, beschleunigte nach rund zwölf Sekunden wieder und fuhr danach mit etwa 18 km/h bis zur Kollision in ein vortrittsberechtigtes Flexity-Tram der Linie 11. Als auslösender Faktor identifiziert die Untersuchung einen akuten medizinischen Beeinträchtigungszustand der Wagenführerin bzw. des Wagenführers des Cobra-Trams.
"An das Geschehen fehlt der Person jede Erinnerung, schreibt die Sust."
Medizinischer Notfall und dessen Folgen
Laut Bericht erlitt die betroffene Person einen Kontrollverlust und kurzzeitigen Bewusstseinsverlust. Nach diesem Ereignis setzten offenbar automatisierte, unbewusste Routinehandlungen ein, weshalb das Tram zunächst stoppte und dann wieder anfing zu rollen. Die Sust stellt fest, dass die gesundheitlichen Probleme zuvor völlig unbekannt waren und auch bei regulären Tauglichkeitsprüfungen nicht festgestellt werden konnten.
Technische Lücke beim Cobra-Tram
Als Faktoren, die den Unfall begünstigten, nennt die Sust das Fehlen einer automatischen Sicherheitssteuerung beim älteren Cobra-Tram. Eine solche Sicherheitsfunktion würde im Falle einer Handlungsunfähigkeit automatisch bremsen und so eine Kollision verhindern oder mindern. Die VBZ prüfen nun, ob die Cobra-Flotte mit einer entsprechenden Sicherheitssteuerung nachgerüstet werden kann.
Empfehlungen und mögliche Folgen für den Zürcher ÖV
Die Sust empfiehlt dem Bundesamt für Verkehr (BAV), die Einführung moderner Aufmerksamkeitsassistenten zu prüfen. Solche Systeme überwachen zum Beispiel Fahrverhalten und Augenbewegungen der Fahrzeugführenden und könnten Handlungsunfähigkeit früher erkennen.
- Nachrüstung älterer Trams mit automatischer Sicherheitsbremsung: Prüfung durch VBZ angekündigt
- Prüfung von Aufmerksamkeitsassistenten durch das BAV empfohlen
- Begrenzte Aussagekraft heutiger Tauglichkeitsprüfungen bei akut auftretenden gesundheitlichen Problemen
Was das für Fahrgäste und Mitarbeitende bedeutet
Für Fahrgäste kann eine technische Nachrüstung die Sicherheit erhöhen, indem sie das Risiko von Unfällen durch plötzlich handlungsunfähige Fahrerinnen oder Fahrer reduziert. Für die VBZ bedeutet dies Investitionsbedarf, potenziell Schulungen und Anpassungen im Betriebskonzept. Für Mitarbeitende ist zu berücksichtigen, dass medizinische Vorsorgeuntersuchungen Lücken aufweisen können, wenn gesundheitliche Probleme sehr plötzlich auftreten.
| Datum des Unfalls | September 2025 |
|---|---|
| Ort | Albert-Näf-Platz, Bahnhof Oerlikon, Zürich |
| Betroffene Tramlinien | Linie 11 (Flexity), Linie 14 (Cobra) |
| Verletzte | 3 schwer, 1 leicht |
| Haupterkenntnisse der Sust | Akuter medizinischer Notfall + fehlende automatische Sicherheitssteuerung |
Die Veröffentlichung des Berichts wirft die Frage auf, wie Verkehrsunternehmen und Aufsichtsbehörden künftig akute gesundheitliche Notfälle bei Fahrzeugführenden noch besser berücksichtigen können. Technische Systeme wie automatische Notbremsungen und Aufmerksamkeitsassistenten sind mögliche Bausteine, ersetzen aber nicht die medizinische Betreuung und Risikobewertung der Mitarbeitenden.
Für die Bevölkerung von Zürich bleibt wichtig: Der öffentliche Verkehr wird weiterlaufen, gleichzeitig sind Massnahmen denkbar, die die Sicherheit erhöhen. Die Entscheidungen über Nachrüstungen bei der Cobra-Flotte und mögliche Vorgaben des BAV dürften Auswirkungen auf den Betrieb und das Budget der VBZ haben.