Der Ausgleichstreffer von Jude Bellingham zum 1:1 gegen Norwegen sorgte im WM-Viertelfinal nicht nur für Freude bei England, sondern auch für heftige Proteste bei den Skandinaviern. Unmittelbar nach dem Tor ging Norwegens Torhüter Örjan Nyland zum Schiedsrichter Clément Turpin und deutete an, der Ball habe nach seinem Abschlag das über dem Feld gespannte Kameraseil berührt. Sollte dies zutreffen, wäre die folgende Spielsituation nicht regulär gewesen.
Die Szene, die Fragen aufwirft
Aus Norwegens Perspektive fliegt der Ball nach Nylands Abstoss ungewöhnlich stark ab und landet zu kurz — genau in den Füssen von Elliot Anderson, der den Angriff einleitete. Dieser weitergeleitete Ball ging über Anthony Gordon zu Bellingham, der zum Ausgleich traf. Weil eine mögliche Berührung des Kameraseils die Flugbahn beeinflusst haben könnte, müsste die Partie in einem solchen Fall mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt werden, nicht mit einem regulären Angriffsablauf.
«Der VAR hätte in der Situation eingreifen können – und er hätte das sehen müssen.»
Dieses Urteil stammt von Ex-Premier-League-Schiedsrichter Mark Clattenburg, der die Szene beim Sender Fox kommentierte. Er unterstreicht damit den Anspruch, dass VAR-Prüfungen bei Spielauswirkungen dieser Art zwingend zu prüfen seien.
Weitere strittige Szene kurz nach der Pause
Die Norweger erlebten kurz nach Wiederanpfiff ein weiteres enttäuschendes Ereignis: In der 55. Minute wurde ein vermeintliches Tor nach einem Eckball nicht anerkannt, weil Turpin ein regelwidriges Stossen von Erling Haaland gegen Elliot Turpin erkannt hatte. Auch diese Entscheidung führte zu Unmut auf Seiten Norwegens.
- Situation 1: Nylands Abstoss — mögliche Berührung des Kameraseils, Tor zählt.
- Situation 2: Eckball-Tor für Norwegen in der 55. Minute — aberkannt wegen Stossens durch Haaland.
Definitiv festzulegen, ob das Kameraseil tatsächlich vom Ball berührt wurde, lässt sich aus den verfügbaren Fernsehaufnahmen nicht eindeutig erkennen. Eine Kameraeinstellung hinter Nylands Tor legt jedoch eine abrupte Änderung der Flugbahn nahe, was die Vermutung einer Berührung nährt. Ob diese Beobachtungen zu offiziellen Protesten oder einem Einspruch gegenüber den Wettbewerbsverantwortlichen führen, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht bekannt.
Folgen und Einordnung
Sollte sich herausstellen, dass das Kameraseil den Ball beeinflusst hat, hätte das unmittelbare Folgen für den Spielverlauf gehabt: Das Tor dürfte nicht gezählt haben und die Partie wäre mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt worden. Eine solche Erkenntnis würde nicht nur das Ergebnis beeinflussen, sondern auch Fragen zur technischen Infrastruktur in Stadien aufwerfen — insbesondere, wie über dem Spielfeld angebrachte Geräte das Spiel beeinflussen und wie der VAR in solchen Fällen verbindlich einzuschreiten hat.
Bis zu einer Klärung bleibt die Szene ein Beispiel dafür, wie marginale Einflüsse und die Interpretation von VAR-Bildern über den Verlauf eines grossen Turniers entscheiden können. Die Partie lief zur Berichterstattung weiter; ob die Zwischenfälle disziplinarische oder organisatorische Folgen nach sich ziehen, war offen.
| Minute | Ereignis | Entscheidung |
|---|---|---|
| Nachspielzeit 1. Halbzeit | Ausgleich durch Bellingham nach Nylands Abstoss | Tor gezählt; Norwegen reklamierte Kameraseil-Berührung |
| 55. Minute | Norwegisches Tor nach Eckball | Aberkannt wegen Stossens durch Haaland |