Lokalökonomie unter Druck: Nachfolgeproblem trifft Ladenlandschaft
In Winterthur stehen nach Angaben lokaler Marktbeobachter mehrere traditionsreiche Geschäfte vor dem Aus, weil die Inhaberinnen und Inhaber ins Rentenalter kommen und keine geeignete Nachfolge gefunden wird. Zuletzt schlossen das «Traité» in der Stadthausgasse und das «Geissberger’s Culinarium» in Oberwinterthur. Die Entwicklung ist Teil eines schweizweiten Trends: Über 90’000 kleinere und mittlere Unternehmen stehen aktuell vor einer Firmenübergabe, das sind fast 15 Prozent aller KMU.
Das Verschwinden einzelner Geschäftsadressen hat direkte Folgen für die Versorgung in Quartieren, für Arbeitsplätze und das kulturelle Gesicht der Stadt. Fachleute warnen, dass viele Betriebe unnötig aufgegeben werden, weil die Übergabe nicht rechtzeitig geplant ist oder die Erwartungen der Übergebenden nicht realistisch sind.
- Hauptproblem: fehlende oder verspätet geplante Nachfolge.
- Folge: Läden schliessen, Angebot in Quartieren schrumpft.
- Lösungsansatz: frühzeitige Planung, schrittweise Einarbeitung oder alternative Modelle wie Verkauf an Mitarbeitende oder Partnerschaften.
Carla Kaufmann von companymarket.ch, einer Plattform für Firmenverkäufe, bringt den Kernpunkt auf den Punkt: «Viele Geschäfte geben nicht auf, weil ihnen die Kundschaft fehlt, sondern weil sie keine Nachfolge finden.» Das Problem liege also weniger im Markt, sondern in der Übergabeorganisation.
«Viele Geschäfte geben nicht auf, weil ihnen die Kundschaft fehlt, sondern weil sie keine Nachfolge finden.»
Auch Gregor Knoblauch, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Winterthur, betont die Bedeutung rechtzeitiger Planung. Wenn sich Inhabende frühzeitig mit der Nachfolge befassen, bestehe mehr Spielraum: Neues Personal könne langsam eingearbeitet werden, Übergabemodelle seien flexibler, und der Betrieb könne an Mitarbeitende verkauft oder partnerschaftlich weitergeführt werden. Jakob Bächtold vom House of Winterthur ergänzt, dass eine solche Vorbereitung Chancen eröffne, statt dass ein Betrieb plötzlich vom Markt verschwindet.
Ein praktisches Beispiel aus Winterthur zeigt, wie ein geplanter Übergang aussehen kann: Der Tearoom Teekult an der Steinberggasse wurde kürzlich nach 19 Jahren von Eliane Brown übergeben. Brown hatte sich bereits drei Jahre vor dem Schritt mit der Übergabe befasst. Ihr Mietvertrag wäre 2027 ausgelaufen; die frühzeitige Auseinandersetzung mit der Nachfolge ermöglichte einen geordneten Übergang.
Für die Stadt Winterthur bedeutet die Entwicklung: Kommunale und zivilgesellschaftliche Initiativen, Beratungsstellen und Finanzdienstleister spielen eine wichtige Rolle, um Inhabende bei der Planung zu unterstützen. Ohne verstärkte Aufmerksamkeit droht das Ortsbild an Vielfalt zu verlieren — mit spürbaren Konsequenzen für Kunden, Beschäftigte und das lokale Gewerbe.
| Problem | Mögliche Gegenmassnahme |
|---|---|
| Keine Nachfolge | Frühzeitige Planung, Vermittlungsplattformen |
| Unrealistische Erwartungen | Beratung durch Treuhänder und Banken |
| Plötzliche Schliessung | Partnerschafts- oder Mitarbeitermodelle |