Seminar «Männlichkeiten - neue Visionen» in Freiburg
In Freiburg haben Teilnehmende in einem zweitägigen Workshop die Frage diskutiert, was «Mann sein» bedeuten kann. Veranstaltet wurde das Seminar von Jugendbildungswerk und Eine Welt Forum. Im Mittelpunkt standen persönlicher Austausch, Selbstreflexion und die Arbeit an Bildern von Männlichkeit, die viele bereits in der Kindheit vermittelt bekommen haben.
Der Seminarleiter, Florian Fischer, ein Politikwissenschaftler mit langjähriger Erfahrung in Bildungsarbeit, beschreibt den Anlass als geschützten Raum, in dem Männer offen über Gefühle und Unsicherheiten sprechen können. Ein zentrales Thema sei der Zugang zur eigenen Innenwelt und der Umgang mit Emotionen – Aspekte, die in vielen sozialen Kontexten für Männer nach wie vor schwer ansprechbar sind.
"Mensch sein. Kontakt zur Gefühls- und Innenwelt"
Dieses Worte schrieb Teilnehmer Martin Bertele auf einen Zettel, um seine Vorstellung von Männlichkeit zu umschreiben. Er schilderte, dass es ihm seitdem leichter falle, auch Schmerz und Tränen zu zeigen und nicht nur Stärke zu demonstrieren. Ein weiterer Teilnehmer, Pascal Lisson, erinnerte an prägende Aussagen aus seiner Kindheit, die sein Verhältnis zu Gefühlen beeinflusst hätten: "Frauen reden über ihre Gefühle, Männer nur über Fakten" – ein Satz, der laut Lisson lange Gesprächsräume und Verhaltensweisen prägte.
Konkrete Themen und Anliegen
Die Gespräche im Seminar kreisten um mehrere wiederkehrende Aspekte:
- Gefühlsfähigkeit: Wie zeige ich Unsicherheit und Verletzlichkeit?
- Biografische Prägungen: Welche Bilder von Männlichkeit habe ich übernommen?
- Vaterfiguren: Welche Rolle spielen sie in meinem Männerbild?
- Geschützter Austausch: Raum schaffen, um offen zu reden ohne Bewertung.
Der Workshop richtet sich damit an junge Männer, die ihre soziale Rolle hinterfragen möchten, aber auch an Fachstellen und Jugendorganisationen, die in ihrer Arbeit mit jungen Menschen auf solche Fragestellungen stossen.
Gegenbewegung und gesellschaftlicher Kontext
Parallel zur kritischen Auseinandersetzung mit Männlichkeitsbildern hat sich im Netz laut Bericht eine Gegenbewegung formiert, die solche Reflexionsformate teilweise ablehnt. Die lokalen Bildungsangebote stehen damit in einem breiteren gesellschaftlichen Diskurs: Einerseits wächst das Interesse an mehr emotionaler Offenheit und Rollenvielfalt, andererseits gibt es Widerstände gegen Veränderungen traditioneller Geschlechterbilder.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Veranstaltung | "Männlichkeiten - neue Visionen" |
| Dauer | zweitägig |
| Organisatoren | Jugendbildungswerk, Eine Welt Forum |
| Ziel | Austausch und persönliche Reflexion zu Männlichkeitsbildern |
Für den Kanton Freiburg bedeutet die Durchführung solcher Angebote, dass bildungspolitische Akteure Sensibilisierung und Unterstützung für junge Männer bereitstellen. Schulen, Beratungsstellen und Jugendarbeit können von Erfahrungen solcher Workshops lernen: Die Methoden fördern den vertrauensvollen Austausch und können helfen, Kommunikationsmuster zu verändern, die etwa in Partnerschaften oder am Arbeitsplatz zu Konflikten führen.
Praktisch bedeutet das für Interessierte und Fachstellen: Weiterbildungen, moderierte Gesprächsgruppen und niedrigschwellige Angebote in Gemeinden sind sinnvolle Ergänzungen zu schulischer Aufklärung. Die lokale Publikumsnachfrage und die Reaktionen in sozialen Medien deuten zugleich darauf hin, dass dieses Thema weiterhin auf Interesse und Debatte stossen wird.