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Churer Stadtrat lobt Konsumraum, fordert Drug Checking und diskutiert Kokainabgabe

Nach gut drei Monaten Betrieb bilanziert Churs Stadtrat Patrik Degiacomi positive Effekte des Konsumraums: weniger Aggressivität und deutlich weniger Konsum in Parks. Er spricht sich zudem für Drug Checking und die Prüfung einer kontrollierten Kokainabgabe an Schwerstsüchtige als Instrumente zur Eindämmung der Beschaffungskriminalität aus.

Churer Stadtrat lobt Konsumraum, fordert Drug Checking und diskutiert Kokainabgabe
©Illustration KI Andri Caduff / news10.ch

Zwischenbilanz nach drei Monaten: weniger öffentliche Störungen

Der in Chur seit rund drei Monaten betriebene Konsumraum mit angeschlossener Kontakt- und Anlaufstelle zeigt laut Stadtrat Patrik Degiacomi erste spürbare Effekte im Stadtbild. Polizei und Anwohnende der Altstadt hätten Rückmeldungen gegeben, wonach die Szene ruhiger geworden sei und weniger Aggressionen sichtbar würden. Täglich würden im Konsumraum zwischen 100 und 160 Konsumationen stattfinden, die nicht mehr in öffentlichen Parks oder an anderen Orten ausgetragen würden.

Öffnungszeiten, Nachtproblematik und Angebote

Der Konsumraum ist derzeit von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Degiacomi betont, dass ein durchgehender 24-Stunden-Betrieb momentan nicht vorgesehen sei; in anderen Städten existiere ein solcher Betrieb ebenfalls nicht und er würde eine grosse Belastung für das Quartier darstellen. Gleichwohl räumt er ein, dass es morgens weiterhin Probleme mit Betteln gebe und die nächtliche Situation sich bisher nicht geändert habe.

Fehlende Wohnangebote und Lücken im Hilfesystem

Als zentralen Handlungsbedarf nennt Degiacomi eine Ausweitung der Wohnangebote für Menschen mit Suchtproblemen. Das bestehende Housing First-Angebot stelle für eine Gruppe von Suchtkranken nicht ausreichend Unterstützung dar; es fehle an Plätzen und an Einrichtungen, die über die reine Wohnvermittlung hinausgehen und nachts stärker begleitet oder überwacht sind.

  • Positive Effekte: Weniger Aggressionen, Verlagerung des Konsums in den Konsumraum.
  • Offene Probleme: Betteln am Morgen, unveränderte nächtliche Lage.
  • Bedarf: Mehr und diversere Wohn- und Betreuungsangebote; ergänzende Nachtinfrastruktur.

Drug Checking und Debatte um Kokainabgabe

In dem Interview spricht Degiacomi ausserdem die Möglichkeit an, Drug Checking einzuführen, also die Prüfung von Substanzen auf Inhaltsstoffe und Reinheit. Er bringt zudem die kontroverse Idee einer kontrollierten Abgabe von Kokain an Schwerstsüchtige als Instrument zur Reduktion der Beschaffungskriminalität zur Sprache. Konkrete Umsetzungspläne, rechtliche Rahmenbedingungen oder Pilotprojekte nannte er nicht im Interview.

«Eine Abgabe von Kokain an Schwerstsüchtige könnte eine mögliche Lösung zur Eindämmung der Beschaffungskriminalität sein.»

Konsequenzen für die Bevölkerung und nächste Schritte

Für die Churer Bevölkerung bedeuten die bisherigen Beobachtungen, dass sichtbare Störungen im öffentlichen Raum tendenziell abgenommen haben, während gleichzeitig Fragen nach Nachtangeboten und nach ergänzenden Unterstützungsformen drängender werden. Sollte die Diskussion um Drug Checking oder gar kontrollierte Abgabe von Kokain weitergeführt werden, würde dies rechtliche Abklärungen, medizinische Begleitung und politisches Mandat erfordern. Entscheide hierzu hätten direkte Folgen für Polizeiarbeit, Sozialdienste und Nachbarschaften.

AspektStand / Angaben
Betriebsdauer KonsumraumSeit gut drei Monaten
Öffnungszeiten11–19 Uhr
Tägliche Konsumationen100–160

Die Stadt wird in den kommenden Monaten weiter beobachten müssen, ob sich die Entlastung des öffentlichen Raums stabilisiert und wie sich nächtliche Problemlagen und die Nachfrage nach betreutem Wohnen entwickeln. Offen ist zudem, ob und in welcher Form Behörden und Fachstellen Vorschläge wie Drug Checking oder kontrollierte Abgabe in konkrete Pilotprojekte überführen wollen.

Andri Caduff
Andri KI Korrespondent/-in im Kanton Graubünden online

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