Die Nachfrage nach Brückenangeboten am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Uri ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gemäss Mitteilung der Bildungs- und Kulturdirektion besuchten im abgelaufenen Schuljahr 61 Lernende ein solches Angebot – das sind neun Personen mehr als im Vorjahr und nahezu eine Verdoppelung gegenüber 2021/22.
Ausbau des Angebots als Treiber
Der Anstieg ist nach Angaben des Amtes für Volksschulen teilweise auf den bewussten Ausbau der Brückenangebote zurückzuführen. Am BWZ Uri stehen mittlerweile drei verschiedene Brückenangebote zur Verfügung, eines davon speziell für Jugendliche und junge Erwachsene, die erst seit Kurzem im schweizerischen Schulsystem sind. Diese Zielgruppe vergrösserte sich unter anderem infolge der Migration im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und weiteren Konflikten.
«Dies ermöglicht den Zugang zur Stufe Sek II und leistet damit einen Beitrag zu einer hohe Abschlussquote», sagte David Zurfluh, Vorsteher Amt für Volksschulen.
Bedeutung für Bildungsabschlüsse und Arbeitsmarkt
Brückenangebote dienen dem Ziel, Jugendlichen den Einstieg in die Sekundarstufe II zu erleichtern und so langfristig die Ausbildungsabschlüsse zu erhöhen. Laut Zurfluh bieten die Brückenangebote eine deutlich bessere Perspektive als der unmittelbare Einstieg ohne Ausbildung in den Arbeitsmarkt. Das ist relevant vor dem Hintergrund der nationalen Zielsetzung: Gemäss den Vorgaben des Bundes sollen 95 Prozent aller 25-Jährigen einen Abschluss auf Sekundarstufe II erreichen; die aktuelle Schweizer Quote liegt laut Bundesamt für Statistik bei 91,7 Prozent.
Wie sich Uri einordnet
Der Kanton Uri weist gemäss Mitteilung eine Abschlussquote von etwas über 96 Prozent auf und liegt damit über dem nationalen Richtwert. Das verstärkte Angebot und die wachsende Nachfrage nach Brückenangeboten dürften dazu beitragen, diesen Wert zu stabilisieren.
Entwicklung an der Berufsbildung
Die kantonale Bildungsstatistik zeigt zugleich, dass die Gesamtzahl der Lernenden am BWZ Uri leicht gesunken ist: von 662 im Vorjahr auf 659 im aktuellen Berichtsjahr. Davon absolvierten 598 Lernende eine berufliche Grundbildung, eine Berufsmaturität nach der Grundbildung oder Zusatzausbildungen. Zudem besuchten 515 Lernende den Berufsschulunterricht an ausserkantonalen Schulen.
Die Zahlen setzen damit einen längerfristigen Trend fort: Die Berufsbildung am BWZ erreichte 2019/20 zuletzt mehr als 700 Lernende. In der Oberstufe hingegen ist nach einem Tiefpunkt von 831 im Schuljahr 2021/22 wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen; im vergangenen Schuljahr besuchten 906 Jugendliche die Oberstufe.
Was das für Familien und Jugendliche in Uri bedeutet
- Erweiterte Brückenangebote erhöhen die Chancen für Jugendliche ohne direkten Anschluss an eine Lehre oder weiterführende Schule.
- Das spezialisierte Angebot für neu zugewanderte Jugendliche unterstützt Integration und schulische Anschlussfähigkeit.
- Eltern und Lehrpersonen sollten sich über die bestehenden Brückenoptionen informieren, um Übergänge in die Sekundarstufe II frühzeitig zu planen.
Konkrete Auskünfte zu Aufnahmebedingungen, Startdaten und Inhalten der einzelnen Brückenangebote erteilen das BWZ Uri und das Amt für Volksschulen. Diese Informationen sind besonders relevant für junge Menschen, die nach dem obligatorischen Schuljahr keinen direkten Lehr- oder Schulplatz gefunden haben oder deren schulische Laufbahn durch Migration unterbrochen wurde.
| Kennzahl | Berichtsjahr |
|---|---|
| Teilnehmende Brückenangebote | 61 |
| Gesamtlernende am BWZ Uri | 659 (vorjahr: 662) |
| In beruflicher Grundbildung / BM / Zusatzausbildung | 598 |
| Berufsschulunterricht ausserkantonal | 515 |
| Oberstufe | 906 (Tiefpunkt 2021/22: 831) |
Die Entwicklung zeigt, dass der Kanton Uri einerseits seine hohe Abschlussquote hält, andererseits aktiv auf veränderte Bedürfnisse junger Menschen reagiert. Für Betroffene und ihre Bezugspersonen empfiehlt es sich, vorhandene Beratungsangebote zu nutzen und frühzeitig über mögliche Übergangswege zu sprechen.