Bern/Zurich — Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung befürwortet strengere Regulierungen für PFAS-Chemikalien, obwohl viele Personen ihr eigenes Wissen über diese Stoffgruppe als «mittel bis gering» einschätzen. Das zeigen die Ergebnisse des jüngsten Umweltpanels, das ETH Zürich und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) gemeinsam erhoben haben.
Bekanntheit hoch, Detailwissen gering
Rund jede zweite Person in der Schweiz hat nach Angaben der Studie schon einmal von PFAS gehört. Diese Stoffgruppe umfasst mehr als 10'000 synthetische Verbindungen, die wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in vielen Alltagsprodukten verwendet werden und deshalb weit verbreitet in der Umwelt vorkommen.
Die Befragten schätzen ihr eigenes Wissen überwiegend als begrenzt ein. Entsprechend nehmen viele Menschen die Aufnahme von PFAS über Nahrungsmittel weniger wahr als die Belastung von Böden und Grundwasser — obwohl Lebensmittel wie Fleisch, Gemüse, Milchprodukte und Obst ebenfalls als mögliche Aufnahmewege identifiziert werden.
Klare Zustimmung zu Regulierungsschritten
Trotz dieser Wissenslücken zeigen die Resultate eine breite Unterstützung für konkrete Massnahmen: Besonders stark fällt die Zustimmung zu einer Kennzeichnungspflicht für Produkte mit PFAS aus. Auch strengere Grenzwerte für Lebensmittel und Trinkwasser werden von einer Mehrheit befürwortet. Die Erhebung basiert auf den Antworten von 5'893 Personen.
- Bekanntheit: Rund jede zweite Person hat schon von PFAS gehört.
- Regulierung: Mehrheit für Kennzeichnungspflicht und schärfere Grenzwerte.
- Konsumverhalten: Über 60 Prozent geben an, dass die Möglichkeit von PFAS in Produkten ihre Kaufentscheidung nicht beeinflusst.
Konsumenten akzeptieren Einschränkungen
Ein zentrales Ergebnis: Würde es zu einer Regulierung kommen, wären Konsumentinnen und Konsumenten laut Umfrage bereit, eine kleinere Produktpalette und höhere Preise zu akzeptieren. Eine verminderte Produktqualität erhielt hingegen keine Mehrheit als akzeptable Folge. Als Haupthindernis für verändertes Kaufverhalten nennen die Befragten, dass sie nicht wissen, in welchen Produkten PFAS enthalten sind.
| Indikator | Ergebnis |
|---|---|
| Anzahl Befragte | 5'893 |
| Bekanntheit des Begriffs PFAS | Rund jede zweite Person |
| Einfluss auf Kaufentscheidungen | >60% geben an: kein Einfluss |
Die Studie zeigt damit ein klassisches Policy-Dilemma: Ein hohes Risikobewusstsein existiert, aber fehlendes Detailwissen verhindert entfaltetes Vorsorgeverhalten im Alltag. Für die Politik bedeutet dies, dass Informations- und Kennzeichnungsstrategien Hand in Hand mit regulatorischen Vorgaben gehen müssten, damit Verbrauchende die richtigen Entscheidungen treffen können.
ETH und BAFU liefern mit dem Umweltpanel Daten, die für die Diskussion um PFAS-Grenzwerte und Produktvorschriften in der Schweiz relevant sind. Konkrete politische Schritte werden nun von der nationalen Umwelt- und Gesundheitsverwaltung zusammen mit Branchenakteuren erwartet, um die Verbreitung dieser langlebigen «Ewigkeitschemikalien» künftig wirksamer zu begrenzen.