Wenige Tage vor dem WM-Finale haben mehrere Menschenrechtsorganisationen eine harte Zwischenbilanz des Turniers in den USA, Kanada und Mexiko gezogen. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen die FIFA und die US-Regierung: Sie sollen Standards missachtet und die Veranstaltung letztlich auf Kosten verletzlicher Gruppen ermöglicht haben.
Vorwürfe im Überblick
Auf einer Pressekonferenz in New York kritisierte Human Rights Watch das öffentliche Auftreten der WM inmitten politischer Entscheidungen der USA, die Migration und Sicherheit massiv beeinflussten. Die Organisationen monieren eine Reihe konkreter Probleme, die das Turnier zu einer «WM der wenigen Glücklichen» gemacht hätten.
"Diese Weltmeisterschaft wurde gespielt vor dem Hintergrund des missbräuchlichen harten Durchgreifens der US-Regierung gegen Einwanderer und des Versagens der FIFA, sich an ihre eigenen Menschenrechtsstandards zu halten." — Minky Worden, Human Rights Watch
Die Kritik umfasst mehrere Ebenen:
- Politisches Klima: Menschenrechtsorganisationen sehen die WM vor dem Hintergrund strenger Migrationspolitik der USA und vermehrter Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE.
- Zugang: Strenge Visa-Bestimmungen und hohe Ticketpreise hätten vielen Fans die Teilnahme verunmöglicht.
- Medienfreiheit: Journalisten hätten nicht immer ausreichende Freiheiten für die Berichterstattung vorgefunden.
- Sicherheitsgefühl von LGBTQI+-Personen: Diese Gruppen hätten sich häufig nicht unterstützt oder sicher gefühlt.
Kontext und konkrete Forderungen
Laut Human Rights Watch fielen die Vorfälle in eine Phase, in der die US-Migrationsbehörde ICE wieder vermehrt in den Fokus gerückt sei; jüngst habe es wieder Todesfälle im Zusammenhang mit Einsätzen gegeben. In diesem Zusammenhang forderte Minky Worden eine Schweigeminute zu Beginn des Finales, um der Opfer zu gedenken.
Auch Football Supporters Europe beklagte, dass das Turnier viele Fans ausschliesse und zu stark amerikazentriert sei. Ronan Evain fasste die Lage pointiert zusammen:
"Es war eine WM der wenigen Glücklichen. Eine sehr amerikanische WM." — Ronan Evain, Football Supporters Europe
Folgen für FIFA und die Sportpolitik
Die Vorwürfe werfen Fragen nach der Glaubwürdigkeit der FIFA und der Wirksamkeit eigener Menschenrechtsstandards auf. Wenn ein Weltverband internationalen Veranstaltungen Priorität vor dem Schutz von Teilnehmenden und Betroffenen gibt, droht ein langfristiger Vertrauensverlust bei Fans, Medien und zivilgesellschaftlichen Gruppen. Zugleich werden Gastgeberstaaten politisch stärker unter Druck geraten: Die Balance zwischen Sicherheits- und Migrationspolitiken sowie den Anforderungen einer globalen Sportveranstaltung muss künftig transparenter und menschenrechtskonformer ausgestaltet werden.
| Bereich | Vorwurf |
|---|---|
| Migration/Sicherheit | Missbräuchliches, hartes Durchgreifen der US-Regierung gegen Einwanderer |
| Zugang | Überteuerte Tickets und restriktive Visa behinderten Fans |
| Pressefreiheit | Journalisten fanden nicht immer ausreichende Freiheiten vor |
| LGBTQI+ | Betroffene fühlten sich nicht ausreichend geschützt und unterstützt |
Die kritischen Stellungnahmen kurz vor dem Finale bedeuten keineswegs nur symbolische Schlagzeilen: Sie könnten Folgen haben für künftige Vergaben grosser Turniere, für die internen Compliance-Prozesse der FIFA und für das öffentliche Bild eines Weltverbands, der sich in den vergangenen Jahren mehrfach Reformbemühungen zuschrieb. Solange unabhängige Prüfungen und klare Folgemaßnahmen fehlen, bleiben die Fragen offen, ob sportliche Mega-Events ihre Menschenrechtsverantwortung ernst nehmen — oder ob sie vor allem geopolitische und wirtschaftliche Interessen bedienen.