Berns Strategie ohne ukrainisches Know-how steht auf dem Prüfstand
Die Debatte um die künftige Schweizer Drohnenproduktion hat in Bern an Schärfe gewonnen. Das Verteidigungsdepartement VBS verfolgt das Ziel, bis 2027 Kriegsdrohnen entwickeln und produzieren zu können. Eine millionenschwere Taskforce und die Anpassung des Kriegsmaterialgesetzes sollen dieses Vorhaben stützen. Trotzdem droht das Projekt international an Bedeutung zu verlieren, weil es auf Kooperationen mit Staaten wie der Ukraine verzichtet.
Die internationale Realität zeigt derzeit eine gegenteilige Dynamik: Viele Nato- und Nahost-Staaten setzen auf enge Partnerschaften mit der Ukraine in Sachen Drohnentechnologie und schliessen entsprechende Abkommen. Bei einem Treffen in Ankara standen Schweizer Systeme offenbar nicht auf der Agenda. Experten sehen darin das Risiko, dass die hiesige Industrie ohne Partnerschaften weder die nötigen Absatzmärkte noch das operative Know-how erlangt, um konkurrenzfähig zu bleiben.
"Ohne das Know-how der Ukraine droht der Schweizer Drohnen-Politik eine teure Bruchlandung."
Für die Bevölkerung im Kanton Bern und die regionale Industrie sind die Folgen konkret: Investitionen in Forschung und Produktion könnten weniger rentabel werden, Arbeitsplätze in Zulieferbetrieben geraten langfristig unter Druck, und die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit der Schweiz bliebe eingeschränkt, falls Technologien nicht marktfähig sind.
Konkrete Auswirkungen und Optionen
Die aktuelle Lage wirft mehrere praktische Fragen auf:
- Wie will das VBS Absatzmärkte sicherstellen, wenn Exportpartnerschaften fehlen?
- Welche Rolle spielt Neutralität in konkreten Kooperationsverhandlungen?
- Wie kann die kantonale Rüstungs- und Zulieferindustrie unterstützt werden, falls internationale Deals ausbleiben?
Politisch bleibt die Verpflichtung zur Neutralität bestehen; rechtlich erlaubt ist jedoch der Export künftiger Systeme in viele Staaten — nicht in die Ukraine, wie aus der Debatte hervorgeht. Das macht die Wahl von Kooperationspartnern heikel, reduziert aber nicht die Notwendigkeit, internationale Märkte und Know-how zu erschliessen.
Für Entscheidungsträger in Bern bedeutet dies: Entweder das VBS passt seine Strategie an, indem es Kooperationen sucht und damit Know-how sowie Absatzchancen erhöht, oder es riskiert, dass die in Aussicht gestellten wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Gewinne ausbleiben. Die nächste Zeit wird zeigen, ob die Politik den eingeschlagenen Kurs korrigiert oder an einem weitgehend autonomen Lösungsansatz festhält.
| Schlüsselereignis | Status |
|---|---|
| Taskforce: Ziel Produktion bis 2027 | in Planung |
| Änderung Kriegsmaterialgesetz | erfolgt |
| Internationale Kooperationen (u. a. Ukraine) | nicht etabliert |