Parteiversammlung entscheidet gegen Verbot
Die Ortspartei der SP Stadt Zürich hat sich an ihrer Mitgliederversammlung gegen ein Verbot von kostenlosen alkoholischen Getränken an Parteianlässen ausgesprochen. Mit 82 zu 35 Stimmen lehnten die Delegierten den Antrag ab, künftig auf Gratisbier, -wein oder den traditionellen Cüpli zu verzichten. Stattdessen unterstützte die Versammlung den Vorschlag der Geschäftsleitung, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die Konzepte für inklusivere Veranstaltungen erarbeitet.
Was Befürworter und Gegner vorbrachten
Der Antrag stammte von Benjamin Kobelt, einem SP-Mitglied, der in seinen Ausführungen auf persönliche Erfahrungen mit Suchtproblematik verwies. Er bezeichnete die ständige Präsenz von Alkohol an Parteianlässen als belastend und argumentierte, dass die Möglichkeit, ausnahmslos kostenlose Getränke zu konsumieren, für Betroffene eine zusätzliche Hemmschwelle darstelle. Kobelt betonte auch, dass er nicht wolle, dass Teile seines Mitgliederbeitrags in den Alkoholkonsum fliessen.
„Die ständige Konfrontation mit Alkohol ist sehr anstrengend.“
Die Parteispitze und viele Delegierte setzten dem den Charakter der geselligen Parteikultur entgegen. Parteipräsident Oliver Heimgartner erinnerte daran, dass die Gratisrunden an vielen Anlässen lediglich Höhepunkte der Begegnung seien und nicht als dauerhafte Aufforderung zum übermässigen Konsum verstanden werden sollten.
Beschluss: Arbeitsgruppe statt Verbot
Die Arbeitsgruppe, deren Einrichtung die Versammlung unterstützte, soll mögliche Lösungen erarbeiten, wie Parteianlässe inklusiver gestaltet werden können, sodass sich Menschen mit Suchtproblematik oder solche, die keinen Alkohol trinken möchten, nicht ausgeschlossen fühlen. Konkrete Vorgaben zum Mandat, zur Zusammensetzung oder zur Fristsetzung wurden an der Versammlung nicht detailliert festgelegt.
Praktische Folgen für Parteimitglieder und Veranstalter
- Für die nächsten Parteianlässe bleibt die bisherige Praxis bestehen: Gratisbier, -wein oder Cüpli werden weiterhin ausgeschenkt.
- Die Arbeitsgruppe soll Vorschläge ausarbeiten; bis zu deren Abschluss ist keine Änderung zu erwarten.
- Veranstalter werden künftig lokal diskutieren müssen, wie sie Alternativen (alkoholfreie Drinks, separate Ausgabemodelle, klare Kommunikation) umsetzen.
Debatte spiegelt breitere gesellschaftliche Fragen
Die Abstimmung in der Stadtzürcher SP berührt grundlegende Fragen der politischen Kultur: Wie lassen sich geselliges Beisammensein und Rücksicht auf vulnerable Gruppen vereinbaren? In der Partei äusserten einige Mitglieder die Ansicht, die politische Kultur drehe sich zu oft um Alkohol. Andere hoben hervor, dass Alkoholkonsum eine starke soziale Komponente habe und sich viele Menschen durch gemeinsame Getränke verbunden fühlten.
| Beschlusspunkt | Ergebnis |
|---|---|
| Verbot von Gratis-Alkohol | abgelehnt (82 zu 35) |
| Einrichtung einer Arbeitsgruppe für inklusivere Anlässe | angenommen |
Ausblick
Die Entscheidung bedeutet, dass kurzfristig keine Änderung der Getränkeausgabe an SP-Anlässen zu erwarten ist. Zugleich schafft die Bildung einer Arbeitsgruppe einen Raum, um praktikable Massnahmen für mehr Teilhabe zu prüfen — etwa bessere Kennzeichnung alkoholischer Getränke, verstärktes Angebot an ansprechenden alkoholfreien Alternativen oder veränderte Ausgabemodelle. Ob die Gruppe verbindliche Empfehlungen erarbeiten wird und ob diese letztlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten und wird für Mitglieder wie Veranstalter der Partei von Interesse sein.