Platz für mehr Wohnungen ohne Umzonung
Auf dem Josef-Areal im Kreis 5 könnte deutlich dichter gebaut werden als ursprünglich vorgesehen: Einer vom Stadtrat vorgestellten Vertiefungsstudie zufolge wären auf dem rund 20'000 Quadratmeter grossen Areal insgesamt bis zu 305 Wohnungen möglich. Dies umfasst sowohl die bereits vorgesehenen Alterswohnungen als auch zusätzliche 140 bis 170 gemeinnützige Wohnungen, wie der Stadtrat mitteilte. Zudem sind 120 Pflegewohnplätze in einem Alterszentrum vorgesehen.
Wichtig für die weitere Planung ist, dass das Areal gemäss Richtplan in einer Zone für öffentliche Infrastruktur liegt; eine Umzonung sei nicht möglich. Die Studie zeigt jedoch, dass durch dichte Bauweise mehr Wohnraum geschaffen werden kann, ohne die vorgesehenen öffentlichen Nutzungen ganz aufzugeben.
Multifunktionales Nutzungskonzept bleibt Ziel
Der Stadtrat betont, dass trotz der zusätzlichen Wohnungen alle ursprünglich geplanten Nutzungen weiterhin möglich seien. Dazu zählen neben Alterswohnungen und einem möglichen Hallenbad auch ein Quartierpark, ein Werkhof sowie Räume zugunsten des Quartiers. Zurzeit werden Teile des Areals für Zwischennutzungen aus den Bereichen Sport und Kultur verwendet; zudem bestehen mit dem provisorischen Quartierpark «Josefina» und dem Zentrum für Kreislaufwirtschaft «Josy» bereits lokal verankerte Nutzungen.
„Das Areal könne viel mehr sein, als der Stadtrat wolle, hiess es.“
Dieser Protest hatte sich bereits im Stadtparlament manifestiert: Im März 2024 überwies das Parlament eine Motion deutlich, die mehr Wohnungen forderte. Der damalige Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) verwies seinerseits auf die hohe Dichte, die zusätzliche Wohnungen für das Quartier bringen würden.
Zeitplan und weitere Schritte
Der Stadtrat plant, bis Ende 2026 ein neues Entwicklungskonzept auszuarbeiten. Im Anschluss könnten eine Machbarkeitsstudie, die nötigen Architekturwettbewerbe sowie ein Gestaltungsplanverfahren gestartet werden. Ein möglicher Baubeginn wurde vom Stadtrat frühestens für 2035 genannt.
| Grösse / Kennzahl | Angabe |
|---|---|
| Fläche | 20'000 m² |
| Max. Wohnungen | 305 |
| Gemeinnützige Wohnungen | 140–170 |
| Pflegewohnplätze | 120 |
| Frühester Baustart | 2035 |
Konsequenzen für das Quartier und die Stadt
Die Studie und die laufenden politischen Debatten haben mehrere konkrete Auswirkungen für Bewohnerinnen und Bewohner im Kreis 5 und darüber hinaus:
- Ein substantielles zusätzliches Angebot an gemeinnützigen Wohnungen könnte die Mietpreissituation im Quartier langfristig beeinflussen und Druck auf den Markt abfedern.
- Die Planung zielt auf eine Entlastung vom quartierfremden Verkehr und mehr Begrünung — das würde die Aufenthaltsqualität vor Ort erhöhen, setzt aber die Umsetzung geeigneter Verkehrs- und Erschliessungskonzepte voraus.
- Die Kombination aus Wohnungen, Alterszentrum, Hallenbad und Quartierflächen verlangt ein integriertes Nutzungs- und Betriebskonzept, damit die verschiedenen Ansprüche (Anwohner, Pflege, Sport, Kultur) miteinander vereinbar sind.
Für Stadträte, Planende und Anwohnende bedeutet das weitere Detailarbeit: Dichte bedeutet auch Herausforderungen bezüglich Infrastruktur, Tageslicht, Lärm und Freiraum. Die künftigen Verfahren (Machbarkeitsstudie, Architekturwettbewerbe, Gestaltungsplan) sind dafür zentrale Instrumente. Die aktuell genannte Timeline macht zudem deutlich, dass ein Bauprojekt in diesem Umfang nicht kurzfristig realisiert wird.
In der Zwischenzeit bleibt das Areal ein Ort für Zwischennutzungen, die von Sport- und Kulturangeboten bis zu Initiativen wie «Josefina» und «Josy» reichen. Die am 14. Juni angenommene Unterstützung der Stimmbevölkerung für die Zwischennutzungen zeigt zudem, dass Teile der Bevölkerung diese Nutzungsschichten schätzen.
Ob die Stadt den angestrebten Ausgleich zwischen dichter Bebauung und öffentlichem Nutzen erreicht, wird von der Qualität des Entwicklungskonzepts und der folgenden politischen sowie planerischen Entscheidungen abhängen.