SVP gewinnt Stadtpräsidium, verliert Mehrheit im Rat
Bei den jüngsten Wahlen in Thun erreichte Eveline Salzmann (SVP) das Stadtpräsidium – erstmals wird die Stadt von einer Frau aus der SVP geführt. Gleichzeitig verlor die Partei die bisherige absolute Mehrheit im Gemeinderat. Die Resultate zeigen ein gespaltenes Wahlverhalten im linken und grünen Lager und verweisen auf eine unvollständige Solidarität unter den Bündnispartnern.
Besonders auffällig ist die unterschiedliche Stimmenverteilung innerhalb der linken Parteien. So erhielt der neu gewählte SP-Gemeinderat Claudius Domeyer 6081 Stimmen, während die grüne Stadtpräsidentenkandidatin Andrea de Meuron 5490 Stimmen erzielte. De Meuron erreichte damit 46,5 Prozent der Stimmen, was für eine grüne Kandidatin in Thun überdurchschnittlich stark ist, jedoch nicht zum Sieg reichte.
Internes Zerwürfnis schwächt Gegenkandidatin
Aus den vorliegenden Beobachtungen ergibt sich, dass nicht alle SP-Stimmen auf die grüne Kandidatur übergingen. Politisch Verantwortliche und Beobachter weisen darauf hin, dass die Beziehungen zwischen SP und den Grünen in den letzten Jahren nicht immer eng waren; einzelne SP-Grössen unterstützten im zweiten Wahlgang sogar die SVP-Kandidatin. Diese Konstellation wurde von den Grünen umgehend kritisiert.
- Claudius Domeyer (SP) erhielt 6081 Stimmen.
- Andrea de Meuron (Grüne) erhielt 5490 Stimmen (46,5%).
- Eveline Salzmann (SVP) gewann das Stadtpräsidium; die SVP verlor die Mehrheit im Gemeinderat.
„Im Herbst trete ich nicht um die Stadtpräsidentenwahl an“, verkündete Andrea de Meuron noch am Wahlabend.
Wahlkampf und Botschaften
De Meuron setzte im Wahlkampf auf eine eigenständige, weniger parteiliche Positionierung: Auf ihren Plakaten fehlte das Logo der Grünen, und sie warb in Teilen des Wahlkampfs mit einem liberaleren Profil – etwa mit Hinweisen auf Steuerentlastungen. Solche Signale richteten sich offenbar auch an die politische Mitte, was die Mobilisierung im Kernwählerfeld der Grünen und der SP nicht zwingend vergrösserte. Am Samstag vor der Wahl verteilte de Meuron in der Hauptgasse Bier mit ihrem Konterfei, eine Aktion, die mediale Aufmerksamkeit erzeugte, aber letztlich nicht entscheidend zum Erfolg führte.
Folgen für die Lokalpolitik
Das neue Kräfteverhältnis hat konkrete Folgen für die Beschlusslage in Thun: Ohne die absolute Mehrheit der SVP im Gemeinderat dürften mehr politische Kompromisse erforderlich werden, besonders bei Themen wie Finanzen, Bauen und Umwelt. Die gespaltene Solidarität im linken Lager erhöht die Bedeutung einzelner Sitze und persönlicher Allianzen in kommenden Abstimmungen.
| Kandidat | Partei | Stimmen | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Claudius Domeyer | SP | 6081 | Neu gewählt in den Gemeinderat |
| Andrea de Meuron | Grüne | 5490 | 46,5% der Stimmen |
Für die Bevölkerung von Thun bedeutet das Erreichte, dass künftige Ratsentscheide verstärkt ausgehandelt werden müssen. Parteien können sich nicht mehr darauf verlassen, dass traditionelle Koalitionen automatisch stabile Mehrheiten liefern. Die Wahlen zeigen zugleich, dass individuelle KandidatInnenprofile und parteiübergreifende Unterstützung die Ergebnisse wesentlich beeinflussen.