Demografische Wende: Zürich bleibt vergleichsweise jung
Gemäss den aktuellen Prognosen des Bundesamts für Statistik (BFS) hat die Schweiz bereits seit dem Jahr 2025 mehr Menschen ab 65 als Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren. Im Kanton Zürich zeigt sich die Alterung der Bevölkerung jedoch langsamer: Erst um das Jahr 2030 wird hier die Zahl der 65‑Jährigen diejenige der 0–19‑Jährigen übertreffen. Damit zählt Zürich weiterhin zu den kantonalen Regionen mit jüngerer Bevölkerung.
Der Unterschied zu anderen Kantonen ist deutlich: Nur in den Kantonen Freiburg, Waadt und Genf liegt der Anteil der über 65‑Jährigen heute noch tiefer als im Kanton Zürich. Bereits früher als in Zürich hatte die demografische Verschiebung in Kantonen wie Basel‑Stadt und Tessin stattgefunden; dort lebten schon vor 2010 mehr Pensionierte als Kinder und Jugendliche.
Wachstum ungleich verteilt – nicht nur mehr Alte
Die Prognosen zeigen kein einheitliches Schrumpfen der jüngeren Altersgruppen, sondern ein ungleichmässiges Wachstum: Die Gruppe der über 65‑Jährigen nimmt deutlich zu, gleichzeitig wächst aber auch die Erwerbsbevölkerung in absoluten Zahlen. Besonders ausgeprägt ist das erwartete Plus bei den 30‑ bis 49‑Jährigen: Ihre Zahl steigt im Referenzszenario von rund 510'000 auf 590'000. Die stärkste relative Zunahme wird bei den Über‑80‑Jährigen erwartet, deren Zahl von etwa 90'000 auf 150'000 ansteigen soll.
- Grundursachen: steigende Lebenserwartung und tiefe Geburtenrate.
- Demografischer Effekt: geburtenstarke Jahrgänge (Babyboomer) treten ins Rentenalter ein.
- Regionale Unterschiede: Zuwanderung und Geburtenhäufigkeit beeinflussen Tempo der Alterung.
Konkrete Folgen für Kanton und Gemeinden
Die Verschiebung der Altersstruktur hat breite Konsequenzen für die kantonale Planung:
- Gesundheits- und Pflegeinfrastruktur muss auf mehr hochaltrige Menschen vorbereitet werden, insbesondere auf die Zunahme der über 80‑Jährigen.
- Schulen und Kinderbetreuung werden regional unterschiedlich betroffen sein; in manchen Gemeinden sinkt die Zahl der Kinder früher, in anderen kann Zuwanderung dem entgegenwirken.
- Auf dem Arbeitsmarkt bleibt Zürich mit dem höchsten Anteil an Personen im Erwerbsalter (20–64) vergleichsweise stark aufgestellt, was sich positiv auf Steuerkraft und Fachkräfteangebot auswirken kann.
Was das für Bevölkerung und Politik bedeutet
Die Prognosen unterstreichen, dass politische Entscheide und kommunale Investitionen langfristig geplant werden müssen. Für Städte und Gemeinden im Kanton Zürich heisst das konkret:
- Prüfung von Ausbauplänen für Alters- und Pflegeheime sowie ambulante Angebote.
- Evaluation der Bildungsinfrastruktur – Schulraum kann regional unterschiedlich konzipiert werden.
- Förderung von Massnahmen zur Erwerbsbeteiligung und längeren Integration von älteren Arbeitskräften.
| Altersgruppe | Beispielzahlen (Referenzszenario) |
|---|---|
| 30–49 Jahre | von ~510'000 auf ~590'000 |
| 80+ Jahre | von ~90'000 auf ~150'000 |
Wie die weitere Entwicklung tatsächlich ausfällt, hängt laut BFS stark von der Geburtenhäufigkeit und der Zuwanderung ab. Kanton und Gemeinden können mit gezielten politischen Schwerpunkten auf verschiedene Szenarien reagieren: Siedlungsplanung, Verkehrs- und Mobilitätsangebote, Pflegekapazitäten sowie Bildungs- und Integrationspolitik bleiben zentrale Handlungsfelder.
Die demografische Alterung ist kein einheitlicher Prozess, sondern wirkt örtlich unterschiedlich. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons Zürich bedeutet dies, dass sich Infrastruktur und öffentliche Leistungen in den kommenden Jahren an veränderte Altersstrukturen anpassen müssen – mit Folgen für Haushalt, Raumplanung und Sozialpolitik.