Digitale Karte soll Alltag in der Innenstadt weniger beschwerlich machen
Die Stadt Zürich hat ein Pilotprojekt zur barrierefreien Kartierung der Innenstadt ausgeweitet. Auf der städtischen Website können Personen mit eingeschränkter Mobilität künftig Routen planen, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen. Das Projekt war 2023 im Kreis 1 gestartet und basiert auf Beobachtungen und Meldungen von Betroffenen.
Im Fokus stehen Hindernisse wie Treppen, hohe Randsteine, enge Trottoirs oder das Fehlen von Sitzgelegenheiten. Solche Punkte wurden von Teilnehmenden systematisch erfasst und digitalisiert, damit sie ausgewertet und in die Routenplanung einbezogen werden können. Die Stadt betont, dass die erfassten Daten von Anfang an digital vorlagen, um spätere Auswertungen zu erleichtern.
Unterschiedliche Bedürfnisse erfordern differenzierte Lösungen
Die Auswertung hat deutlich gemacht: Die Anforderungen an einen barrierefreien Stadtraum unterscheiden sich stark je nach Mobilitätsform. Eine Mutter mit Zwillingswagen hat andere Prioritäten als ein älterer Mensch mit Stock oder eine Person im Rollstuhl. Während ein älterer Mann beim Aufstieg eher eine Sitzbank oder eine Trinkgelegenheit schätzt, können bereits zwei Treppenstufen für Rollstuhlnutzende ein unüberwindbares Hindernis darstellen.
«Die Bedürfnisse sind je nach Einschränkung extrem verschieden, das hat sich bei dieser Auswertung gezeigt», so Jürg Lüthy, Direktor Geomatik und Vermessung in der Stadt Zürich.
Solche Unterschiede haben direkte Folgen für die Planung von Routen: Eine automatisch berechnete Wegführung muss mehrdimensionale Kriterien berücksichtigen — Steigung, Trottoirbreite, Vorhandensein von Sitzbänken oder Brunnen, und eben Treppen beziehungsweise Stufen.
- Zielgruppe: Menschen mit Gehbehinderung, Rollstuhlnutzende, Personen mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen
- Start: Pilotprojekt 2023 im Kreis 1
- Funktion: Digitale Routenplanung auf der Website der Stadt Zürich
Was bedeutet das für Stadtbewohnerinnen und -bewohner?
Für betroffene Personen verbessert das Angebot die Planbarkeit von Wegen in der Innenstadt. Statt erst unterwegs festzustellen, dass eine Strecke unpassierbar ist oder keine Sitzmöglichkeit besteht, kann die Route vorab angepasst werden. Das reduziert Stress, verlängerte Wege und das Risiko, unterwegs steckenzubleiben.
Für die Stadtverwaltung sind die digital erfassten Hindernispunkte eine Grundlage, um Infrastruktur gezielt zu verbessern. Die systematische Datengrundlage erlaubt Priorisierungen bei Investitionen, etwa beim Abbau von Schwellen, beim Ausbau von niveaugleichen Übergängen oder bei der Platzierung von Bänken und Trinkstellen.
Offene Fragen und nächste Schritte
Unklar bleibt, wie rasch die Karte für das gesamte Stadtgebiet ausgerollt wird und welche Mittel für bauliche Nachbesserungen bereitgestellt werden. Entscheidend für die Nutzbarkeit ist zudem, wie detailliert und aktuell die Hindernisdaten gepflegt werden. Die Einbindung von Betroffenen in die Datenerhebung war bislang zentral; künftig könnte die Stadt zusätzlich auf Meldungen aus der Bevölkerung setzen.
| Aspekt | Bekannte Fakten |
|---|---|
| Projektstart | 2023 (Pilot im Kreis 1) |
| Erhobene Hindernisse | Treppen, Randsteine, geneigte Trottoirs, fehlende Sitzbänke |
| Darstellung | Digitale Karte / Routenplanung auf Stadt-Website |
Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass eine erfolgreiche Umsetzung nicht nur technische Lösungen benötigt, sondern auch eine fortlaufende Kooperation mit Betroffenen. Nur so lassen sich die vielfältigen, teils widersprüchlichen Bedürfnisse verschiedener Nutzergruppen in konkrete städtische Massnahmen übersetzen.
Für die Bevölkerung bedeutet die Ausweitung des Projekts einen Schritt hin zu besserer Zugänglichkeit im öffentlichen Raum. Ob und wann daraus flächendeckende bauliche Verbesserungen entstehen, hängt von den nächsten Auswertungen und den politischen Entscheiden zur Ressourcenverteilung ab.