ZVV testet Nachtangebote gezielt für Berufstätige
Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) plant einen Versuchsbetrieb mit Nachtbussen an Werktagen. Zielgruppe sind nicht primär Nachtschwärmer, sondern Berufstätige mit Früh- oder Spätschichten. Der Vorstoss wurde vom ZVV-Direktor vorgestellt und soll – vorbehaltlich eines Entscheids des Parlaments – frühestens in der Fahrplanperiode 2029/30 beginnen.
«Neuland»
Bei der Ankündigung bezeichnete ZVV-Direktor Dominik Brühwiler dieses Angebot als «Neuland» für den Verkehrsverbund. In einem ersten Schritt soll der Versuch auf Zürich und Winterthur sowie auf eine Verbindung zwischen den beiden Städten beschränkt werden. Konkrete Linienführungen und Fahrpläne liegen noch nicht vor; diese werden erarbeitet, sobald das Parlament den Versuch bewilligt hat.
Gründe, Finanzierung und Erwartungen
Der ZVV folgt mit dem Vorstoss Beobachtungen aus dem bestehenden Wochenend-Nachtnetz: Dort habe die Abschaffung des Nachtzuschlags von 5 Franken zu einer deutlichen Nachfrageerhöhung geführt. Für das neue Werktagsangebot wird ein Kostendeckungsgrad von mindestens 60 Prozent angestrebt – dieselbe Zielgrösse wie für das übrige ZVV-Netz. Ob und in welchem Umfang das Angebot trotz geringerer geschätzter Nachfrage an Werktagen ausgebaut wird, soll der Versuch zeigen.
- Räumliche Fokussierung: Zürich und Winterthur plus Verbindung zwischen den Städten
- Zielgruppe: Berufstätige mit Schichtende oder Schichtbeginn ausserhalb der Regelarbeitszeiten
- Finanzziel: Mindestens 60% Kostendeckung wie im übrigen Netz
- Zeithorizont: Frühestens Fahrplanperiode 2029/30, nach parlamentarischer Zustimmung
Welche Folgen hat das Angebot für Pendlerinnen und Unternehmen?
Für Beschäftigte in Spät- oder Frühschichten könnte ein regelmässiges, verlässliches Nachtnetz den Arbeitsweg sicherer und billiger machen und so die Attraktivität solcher Stellen erhöhen. Unternehmen, insbesondere Spitäler, Pflegeheime, Hotels, Gastronomie und Logistikbetriebe, könnten von einer besseren Anbindung profitieren, weil Mitarbeitende flexibler erreichbar wären.
Gleichzeitig stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit: Der ZVV erwartet an Werktagen eine deutlich tiefere Nachfrage als am Wochenende. Der Versuch ist deshalb ein Prüfstein, ob genug Fahrgäste das Angebot nutzen, um die angestrebten Kostendeckungsgrade zu erreichen. Kommt die Nachfrage nicht zustande, könnte das Angebot nicht ausgeweitet werden.
Praktische Auswirkungen für den Kanton Zürich
Für die Bevölkerung im Kanton Zürich bedeutet die Prüfung des Nachtangebots:
- Frühzeitige Evaluation: Gemeinden und Arbeitgeber müssen ihre Mobilitätsbedürfnisse formulieren, damit Linien sinnvoll geplant werden.
- Abwarten der Parlamentsentscheidung: Erst nach einem positiven Beschluss beginnen konkrete Planungen mit Linienvorschlägen und Fahrplänen.
- Mögliche Entlastung des Nachtverkehrs: Analog zum Wochenende könnte ein stärkeres öffentliches Nachtangebot private Autos nächtlicher Pendler reduzieren.
| Aspekt | Bekannt / Ziel |
|---|---|
| Start Versuchsbetrieb | Frühestens Fahrplanperiode 2029/30 |
| Räumliche Beschränkung | Zürich, Winterthur, Verbindung dazwischen |
| Kostendeckung | Mindestziel 60% |
Die konkrete Ausgestaltung hängt nun vom Verlauf des parlamentarischen Verfahrens und von anschliessenden Markterhebungen ab. Bis dahin bleibt offen, wie häufig die Nachtverbindungen fahren würden, welche Haltepunkte bedient werden und wie sich Preise oder Zuschläge gestalten. Für Pendlerinnen und Pendler im Kanton Zürich ist wichtig: Das Projekt ist angekündigt, aber noch in einer frühen Phase.
Weitere Schritte sind Abstimmungen im Kantonsparlament und detaillierte Konzepte des ZVV. Sollten die Gremien grünes Licht geben, folgen Linienentwürfe und Fahrplaninformationen, die rechtzeitig kommuniziert werden müssen, damit betroffene Arbeitgeber und Beschäftigte ihre Dienstpläne und Arbeitswege planen können.