Stadtberner Wohnungsmarkt unter Druck
Der Wohnungsmarkt in Bern bleibt angespannt: Nachfrage und das Bedürfnis nach mehr Wohnfläche seien seit der Pandemie gestiegen, während das Angebot hinterherhinke. Das schildert Simone Richner, FDP-Stadträtin und Präsidentin des Hauseigentümerverbands Bern und Umgebung, in einem Gespräch, das die Lage als komplex und mit mehreren Konfliktlinien beschreibt.
Richner betont, dass sich das Nachfrageprofil verändert habe. Homeoffice sei in vielen Berufen ein fester Bestandteil geworden; dadurch steige der Wunsch nach grösseren Wohnungen. Zugleich habe die Bautätigkeit in den vergangenen Jahren, wenn überhaupt, überwiegend kleinere Wohnungen hervorgebracht. Für viele Suchende bedeute das längere Wartezeiten und geringere Chancen, eine passende Wohnung zu finden.
„Die Nachfrage nach mehr Wohnfläche ist dadurch gestiegen.“
Als zentrales Hemmnis nennt Richner die Dauer der Baubewilligungsverfahren. "Baubewilligungsverfahren dauern teilweise viele Jahre, im Extremfall bis zu zehn Jahre", zitiert sie. Diese langen Fristen würden die Fähigkeit einschränken, auf veränderte Bedürfnisse flexibel zu reagieren: Was heute geplant wird, passe nicht zwangsläufig zu dem, was in einigen Jahren gefragt sei.
Zwischen Zielen und Zielkonflikten
Richner weist darauf hin, dass der Wohnungsbau viele Zielkonflikte zu bewältigen habe. Bauauflagen, Energie- und Klimaziele, Lärmschutz und Denkmalpflege müssten ebenso berücksichtigt werden wie mögliche Einsprachen. Aus ihrer Sicht sei deshalb nicht primär ein neuer Regulierungsanstoss nötig, sondern mehr Tempo, mehr Verlässlichkeit und gesteigerte Bautätigkeit, damit der Markt wirksamer auf die Nachfrage reagieren könne.
- Gründe der Anspannung: gestiegene Nachfrage, vermehrtes Bedürfnis nach Wohnfläche
- Strukturelles Problem: vorwiegend kleinerer Wohnungsneubau in den letzten Jahren
- Verzögerung: Baubewilligungsverfahren können bis zu 10 Jahre dauern
Welche konkreten Folgen Richners Vorschläge für die Stadtpolitik haben könnten, hängt von politischen Entscheidungen auf kommunaler Ebene ab. Ein Fokus auf schnellere Verfahren und eine Förderung grösserer und vielfältigerer Neubauten würde planerische Prioritäten verschieben und möglicherweise auch Konflikte um Nutzung, Umweltschutz und Denkmalpflege neu ausbalancieren.
| Problem | Konsequenz |
|---|---|
| lange Bewilligungsverfahren | geringe Flexibilität gegenüber Nachfrage |
| überwiegend kleinere Neubauten | weniger Angebot für Familien und Homeoffice-Bedarf |
Für Bewohnerinnen und Bewohner von Bern bedeutet das gegenwärtige Gefüge vor allem eines: Wer heute eine Wohnung sucht, muss oft Geduld und etwas Glück mitbringen. Die Debatte über geeignete Massnahmen – schneller bauen versus neue Vorschriften – dürfte im Stadtrat und in der Öffentlichkeit weitergehen.
Simone Richner plädiert klar für eine Politik, die auf mehr Bautätigkeit und verlässlichere Abläufe setzt, statt neue Verbote zu erlassen. Wie Stadt und Kanton diese Balance zwischen Klimazielen, Schutzinteressen und dem Bedarf an Wohnraum herstellen, bleibt eine zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre.