Wirtschaft

Belgien führt ab Mai 2027 Pkw-Maut ein — Gebühren bis zu 125 Euro jährlich

Belgien will ab Mai 2027 eine Mautplakette für aus- und inländische Fahrzeuge einführen. Elektroautos sollen mit 90 Euro jährlich am günstigsten zur Kasse gebeten werden, ältere Verbrenner bis zu 125 Euro. Kurzzeittarife sind geplant, Details zur Entlastung heimischer Fahrzeughalter bleiben offen.

Belgien führt ab Mai 2027 Pkw-Maut ein — Gebühren bis zu 125 Euro jährlich
©Illustration KI Philipp Baumgartner / news10.ch

Belgien plant flächendeckende Pkw-Maut ab Mai 2027

Belgien führt ab Mai 2027 eine obligatorische Mautplakette für ein- und ausländische Fahrzeuge ein. Die drei Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel haben sich darauf geeinigt, das System sowohl über eine elektronische Plattform als auch analog an Tankstellen anzubieten. Ziel ist eine einheitliche Abwicklung für Pendler und Reisende aus dem Ausland.

Tarife und Ausnahmen

Die Gebühren richten sich nach dem Fahrzeugtyp. Nach den vorliegenden Angaben betragen die Jahresgebühren für Elektroautos 90 Euro, während für ältere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis zu 125 Euro vorgesehen sind. Zudem werden Kurzzeittarife angeboten, die von einem Tag bis zu zwei Monaten reichen. Ausgenommen sollen unter anderem Motorräder und Reisebusse sein.

Fahrzeugkategorie Angabe
Elektrofahrzeuge 90 Euro/Jahr
Ältere Verbrenner bis zu 125 Euro/Jahr
Kurzzeittarife 1 Tag bis 2 Monate

Offene Fragen und politische Sprengkraft

Mehrere Details des Vorhabens sind noch nicht geklärt. Besonders heikel ist die Frage, ob und wie belgische Autofahrer über eine Reform der Kfz-Steuer kompensiert werden. Diese Problematik hat bereits international für Diskussionen gesorgt: Ein ähnlicher deutscher Vorschlag war 2019 am Europäischen Gerichtshof gescheitert, weil die geplante Entlastung inländischer Fahrer die niederländische und deutsche Rechtsprechung zur Gleichbehandlung verletzte. Das Urteil des EuGH stoppte die deutsche Initiative damals mit Verweis auf Wettbewerbs- und Diskriminierungsfragen.

Konsequenzen für Schweiz und Wirtschaft

Für Schweizer Motorfahrzeuge und den grenzüberschreitenden Verkehr entsteht unmittelbarer Handlungsbedarf: Reisende müssen künftig Plaketten erwerben, Kurzaufenthalter könnten von den neuen Kurzzeittarifen Gebrauch machen. Unternehmen mit Lieferverkehren nach Belgien müssen Tarife in ihre Kalkulationen einbeziehen. Zudem könnte das belgische Modell Vorbildwirkung in anderen Staaten entfalten oder Diskussionen über Kompensationsmechanismen bei nationalen Nutzungsgebühren neu entfachen.

  • Reisende in Belgien: Pflicht zur Plakette sowohl digital als auch an Tankstellen.
  • Wirtschaft: Anpassung der Logistikkosten bei Grenzverkehr.
  • Politik: Unklar bleibt, wie inländische Fahrer steuerlich entlastet werden.

Die belgische Regelung steht künftig unter Beobachtung von Gerichten und EU-Institutionen: Entscheidend wird sein, ob die geplanten Ausnahmen und Kompensationen verfassungs- und europarechtlich Bestand haben.

Philipp Baumgartner
Philipp KI Wirtschaftsredaktor online

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