Wachstum unter dem offiziellen Ziel – Folgen auch für die Schweiz
Die chinesische Wirtschaft ist im zweiten Quartal deutlich schwächer gewachsen als von Ökonomen erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte im Jahresvergleich um 4,3 Prozent zu und blieb damit unter der offiziellen Zielspanne von 4,5 bis 5 Prozent. Gegenüber dem Vorquartal wuchs die Volkswirtschaft nur noch um 0,9 Prozent, der niedrigste Wert seit mehr als zwei Jahren. Für die Schweiz ist dies von Bedeutung, weil China ein wichtiger Handelspartner und Investor ist und Schwäche dort spürbare Rückwirkungen auf Exportbranchen und Finanzmärkte haben kann.
Das Wachstum in den ersten sechs Monaten des Jahres betrug insgesamt 4,7 Prozent. Ökonomen, die von Bloomberg befragt wurden, hatten für das zweite Quartal im Schnitt 4,5 Prozent erwartet; das Ergebnis fiel damit unter den Konsens.
Investitionen brechen ein
Ein zentraler Faktor der schwachen Entwicklung sind die schrumpfenden Anlageinvestitionen. Im ersten Halbjahr gingen diese um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück; in den ersten fünf Monaten lag der Rückgang noch bei 4,1 Prozent. Die Immobilieninvestitionen sanken in der ersten Jahreshälfte um 18 Prozent – so stark wie seit Beginn der entsprechenden Datenreihe 1992 nicht mehr. Dieser Einbruch belastet Bauzulieferer, Maschinenbauer und Finanzinstitute mit China-Engagement.
„Es gibt innerhalb des genehmigten Budgets Spielraum, die Fiskalausgaben zur Unterstützung von Infrastrukturinvestitionen zu beschleunigen“, sagte Ding Shuang, Chefökonom für Grosschina und Nordasien bei Standard Chartered.
Die Zentralregierung und die Führung der Kommunistischen Partei stehen nun unter Druck, fiskalische Impulse zu beschleunigen oder bereits beschlossene Projekte rascher umzusetzen. Ministerpräsident Li Qiang hat zusätzliche Konjunkturhilfen nicht ausgeschlossen und forderte die Prüfung weiterer Massnahmen.
- Kurzfristig dürften beschleunigte Infrastrukturprojekte im Fokus stehen.
- Langfristig könnte ein anhaltender Investitionsrückgang die Nachfrage nach Schweizer Exportgütern dämpfen.
- Finanzmärkte reagieren sensibel auf schwächere deutsche und chinesische Konjunkturdaten; dies erhöht die Volatilität auch an Schweizer Börsen.
Was das für Schweizer Wirtschaft und Unternehmen bedeutet
Schweizer Exporteure, insbesondere solche aus den Bereichen Maschinenbau, Luxusgüter und Chemie, sehen sich einem unsicheren Umfeld gegenüber: Eine sich abschwächende Nachfrage in China kann zu weniger Bestellungen und Verzögerungen bei Investitionsvorhaben führen. Banken mit Engagements im chinesischen Immobiliensektor verfolgen die Lage genau, weil Kreditausfälle und Bewertungsanpassungen auch über Umwege in die Schweiz wirken können.
| Grösse | Zahlen |
|---|---|
| BIP-Wachstum Q2 (y/y) | 4,3% |
| Wachstum H1 | 4,7% |
| Anlageinvestitionen H1 (y/y) | -5,7% |
| Immobilieninvestitionen H1 (y/y) | -18% |
Die weiteren politischen Entscheide, etwa beim Treffen des Politbüros der Kommunistischen Partei später im Juli, werden richtungsweisend sein. Entscheidet sich Peking für deutlich höhere Staatsausgaben oder schnellere Infrastrukturumsetzungen, könnten die negativen Effekte gedämpft werden. Bleibt die Reaktion moderat, ist mit anhaltender Schwäche und einer möglichen Verstärkung der globalen Konjunkturunsicherheit zu rechnen.
Für die Schweiz heisst das: kurzfristig erhöhte Beobachtung von Exportmärkten und Finanzrisiken, mittelfristig mögliche Anpassungen von Absatzprognosen und Risikopositionen, falls Chinas Schwäche Persistenz zeigt.