Tierverhalten in der Hitze: Ruhe statt Aktion
Im Zoo Zürich zeigt sich aktuell, wie Tiere auf die anhaltende Hitze reagieren. Viele Arten reduzieren ihre Aktivität und sparen Energie. Besonders auffällig ist der Koala: Er verbringt bis zu 20 Stunden pro Tag mit Ruhen und Schlafen, oft in Astgabeln der Eukalyptusbäume. Bei einem Medientermin beobachteten Tierpfleger ein männliches Tier namens Tarni, das kurz vor Mittag ungewöhnlich aktiv war, ansonsten aber der typischen Strategie folgt, die aktiven Phasen in die kühleren Morgen- und Abendstunden zu verlegen.
Physiologie und Verhaltensanpassungen
Der Zoo erläutert verschiedene Anpassungen, die Koalas helfen, mit hohen Temperaturen umzugehen. Dazu gehört das «Umarmen» der Bäume: Die Tiere drücken ihren warmen Körper gegen kühlere Baumflächen, um Wärme abzugeben. Zudem können Koalas ihre Körpertemperatur deutlich variieren. Die übliche Kerntemperatur liegt bei 36 Grad, die Bandbreite reicht laut Zoo von 32 bis 40 Grad. Je wärmer es draussen ist, desto höher kann ein Koala seine Körpertemperatur anheben — eine als adaptive Heterothermie bezeichnete Fähigkeit.
Grenzen der Anpassung und Klimarisiko
Trotz dieser Strategien sind Koalas nicht unverwundbar. Länger andauernde Hitzeperioden und Dürren schwächen die Tiere, und wiederkehrende Extremereignisse bringen sie an ihre Grenzen. Der Zoo verweist zudem auf die Gefahr durch Buschbrände: In der Vergangenheit führten starke Brände zu regionalen Einbrüchen der Population. Aktuelle Schätzungen gehen von noch rund 400'000 bis 570'000 Koalas in der Wildnis aus. Hitzewellen über 35 Grad gelten als besonders belastend.
«Sie suchen jeweils die kühlsten Orte in den Eukalyptuswäldern auf. Und sie umarmen Bäume, die warmen Körper drücken sie dabei an die kältere Baumfläche», sagt Zoo-Direktor Severin Dressen.
Konkrete Folgen für Besucherinnen und Besucher
- Besuche im Zoo können während extremer Hitze ruhiger ausfallen, weil Tiere weniger aktiv sind.
- Verhaltensänderungen der Tiere sind sichtbare Hinweise auf die lokalen Auswirkungen von Hitzewellen und Klimawandel.
- Der Zoo muss bei andauernder Hitze zusätzliche Schutz- und Versorgungsmassnahmen für die Tiere prüfen und umsetzen.
Daten im Überblick
Die folgenden Daten beruhen auf Angaben des Zoo Zürich und der präsentierten Beobachtungen:
| Beobachtung / Kennzahl | Angabe |
|---|---|
| Schlaf-/Ruhdauer Koalas | bis 20 Stunden/Tag |
| Normale Körpertemperatur | 36 °C (Bandbreite 32–40 °C) |
| Gefährliche Hitzewellen | >35 °C |
| Geschätzte Wildpopulation | 400'000–570'000 Tiere |
Für die Stadtbevölkerung von Zürich bedeutet das: Wer in den kommenden Tagen den Zoo besucht, muss damit rechnen, vor allem ruhende Tiere zu sehen. Zugleich sind diese Beobachtungen ein lokal greifbarer Hinweis darauf, wie auch in städtischen Einrichtungen die Folgen des Klimawandels spürbar werden. Der Zoo Zürich steht damit an der Schnittstelle von Artenpflege, Öffentlichkeitsarbeit und Naturschutz; die gezeigten Strategien der Tiere geben Einblick in kurzfristige Anpassungen, machen aber auch langfristige Risiken sichtbar.