Verborgenes Wasser, sichtbare Folgen
Unter den Asphaltebenen der Stadt Zürich verlaufen weiterhin zahlreiche Gewässer: Insgesamt sind es nach bisherigen Angaben über 70 Kilometer Bäche, die im Untergrund geführt werden. Im Kreis 8 gibt es noch vereinzelte offene Abschnitte wie den Wehrenbach, doch die Mehrheit der Wasserläufe bleibt unsichtbar, weil Strassen und Siedlungsbau ihre Betten überdeckten.
Die Stadt plant nun im Quartier Riesbach im Seefeld, an einem Hornbach ein kurzes Strassenstück wieder dem Wasser zurückzugeben. Es handelt sich um einen vergleichsweise kleinen Eingriff, doch er ist symbolisch: Er veranschaulicht, wie Stadtplanung, Klimaresilienz und Aufenthaltsqualität zusammenhängen.
Motive: Hitze, Hochwasser, Stadtraum
Die Wiederöffnung von Bachbetten kann mehrere lokale Effekte haben: Sie schafft kühlende Wasserflächen gegen sommerliche Hitzeinseln, bietet neue Aufenthaltsqualitäten im öffentlichen Raum und macht natürliche Entwässerungswege wieder sichtbar. Zusätzlich kann sie bei starken Niederschlägen als Entlastung dienen, wenn das unterirdische Kanalnetz an seine Grenzen stösst.
«Wo heute eine gewaltige Hitzeinsel die Menschen plagt, fliesst der Bach unbeachtet unter den aufgeheizten Autos dahin.»
Das Zitat des Mobilitätsexperten Thomas Hug-Di Lena aus der Debatte fasst den Konflikt zusammen: Verkehrsinfrastruktur und städtisches Mikroklima kollidieren oft mit natürlichen Gewässerverläufen. Die geplante Öffnung im Seefeld ist deshalb nicht nur ein Gestaltungsakt, sondern auch ein Praxisversuch für vergleichbare Orte in der Stadt.
Welche Bäche sind betroffen?
- Wehrenbach: Einer der wenigen noch offenen Bäche in Kreis 8.
- Hornbach: Geplantes Projekt im Seefeld, nahe Haltestelle Fröhlichstrasse.
- Wolfbach: Fliesst vom Adlisberg, wird unter der Rämistrasse kanalisiert und bei Starkregen über einen Hochwasserstollen in den See geleitet.
- Klosbach: Verläuft am Bahnhof Stadelhofen vorbei, heute verdeckt unter Strassen wie Mühlebach- und Falkenstrasse.
Die Beispiele zeigen, dass Potenzial zur Offenlegung nicht nur in peripheren Quartieren liegt, sondern auch an zentralen Lagen wie Stadelhofen oder Bellevue. Dort wären städtebauliche Veränderungen aber anspruchsvoller wegen bestehender Infrastruktur und Nutzungsdichte.
Konkrete Fragen für die Stadt Zürich
Für die Bevölkerung sind vor allem drei Punkte relevant: Wie gross ist der Eingriff in Strassenraum und Verkehr? Wer trägt Kosten und Unterhalt? Und wie wird die Sicherheit bei Hochwasser gewährleistet? Die Umsetzung kleinerer Offenlegungen macht technische, finanzielle und rechtliche Fragen sichtbar, die politisch entschieden werden müssen.
Bleibt die Praxis auf einzelne Pilotprojekte beschränkt, bleiben viele Chancen ungenutzt. Werden Offenlegungen hingegen systematisch geprüft, könnten sie Teil einer multifunktionalen Stadtplanung werden, die Klimaresilienz, Aufenthaltsqualität und Verkehr neu ausbalanciert.
| Gewässer | Lage / Bemerkung |
|---|---|
| Wehrenbach | Kreis 8, noch offen |
| Hornbach | Seefeld, geplante kurze Offenlegung nahe Fröhlichstrasse |
| Wolfbach | Vom Adlisberg, unter Rämistrasse Hochwasserstollen in den See |
| Klosbach | Bei Bahnhof Stadelhofen, unter Mühlebach- und Falkenstrasse |
Ob und wie viele dieser Projekte umgesetzt werden, hängt künftig von politischen Entscheiden und verfügbaren Mitteln ab. Die kleine Offenlegung im Seefeld wird zeigen, welche Wirkungen sich in Bezug auf Mikroklima, Nahraumqualität und Entwässerung erzielen lassen – und ob dies die Stadt dazu bewegt, weitere Bäche wieder ans Licht zu holen.