Unregelmässiges Altern: Zwei kritische Lebensphasen identifiziert
Der Alterungsprozess des Körpers verläuft nicht gleichmässig. Das ergibt eine Untersuchung, die über sieben Jahre hinweg die Entwicklung von Tausenden von Molekülen bei 108 Personen im Alter von 25 bis 75 Jahren verfolgte. Die Forschenden identifizierten demnach zwei ausgeprägte Wellen altersbedingter Veränderungen: eine um die 45-Jahres-Marke und eine weitere gegen das 60. Die Studie wurde im Fachblatt Nature Aging publiziert.
Welche Prozesse verändern sich?
Die Studie beschreibt, dass verschiedene physiologische Systeme zu diesen Zeitpunkten besonders betroffen sind. Ab etwa 45 Jahren zeigen sich unter anderem:
- Verlangsamter Abbau von Alkohol und Fetten,
- ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- beschleunigter Muskelabbau.
Rund um das 60. Lebensjahr kommen weitere Veränderungen hinzu: Der Zuckerstoffwechsel und die Immunregulation werden instabiler, die Nierenfunktion nimmt ab, und auch hier ist ein verstärkter Muskelabbau beobachtet worden.
Methodik und Aussagekraft
Die Herkunft der Daten – Beobachtungen an Tausenden von Molekülen über einen Zeitraum von sieben Jahren bei 108 Personen im Alter von 25 bis 75 Jahren – erlaubt Einblicke in molekulare Dynamiken des Alterns. Die Studie weist darauf hin, dass diese Veränderungen den gesamten Organismus betreffen und nicht allein hormonellen Umstellungen, etwa bei Frauen, geschuldet sind. Aussagen zur Generalisierbarkeit auf die gesamte Bevölkerung benötigen jedoch weiterhin zusätzliche Studien mit grösseren und vielfältigeren Kohorten.
Was bedeutet das für Prävention und Vorsorge?
Die Autorinnen und Autoren sehen in den Ergebnissen Chancen für gezielte präventive Massnahmen in den identifizierten kritischen Phasen. Konkret könnte dies bedeuten, dass angepasste Vorsorgeuntersuchungen und interventionsorientierte Angebote insbesondere in der zweiten Lebenshälfte sinnvoll sind. Die Studie selbst erwähnt keine konkreten Therapien, hebt aber hervor, dass eine gesunde Lebensweise – regelmässige Bewegung und ausgewogene Ernährung – dazu beitragen kann, den Alterungsprozess zu verlangsamen.
Implikationen und offene Fragen
Die Erkenntnisse eröffnen mehrere Fragen für die Praxis und die Forschung:
- Welche Bildschirm- und Laboruntersuchungen wären in der Mitte und gegen Ende der Lebensmitte am sinnvollsten, um frühe Risiken zu erkennen?
- Wie lassen sich präventive Gesundheitsprogramme so gestalten, dass sie Personen in den kritischen Phasen erreichen und wirksam unterstützen?
- Welche Rolle spielen Lebensstilfaktoren, genetische Variationen und sozioökonomische Bedingungen bei der Intensität dieser Wellen?
| Alter | Dominierende Veränderungen |
|---|---|
| ~45 Jahre | Gestörte Fett- und Alkoholverarbeitung, erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, Muskelabbau |
| ~60 Jahre | Instabiler Zuckerstoffwechsel, veränderte Immunregulation, abnehmende Nierenfunktion, verstärkter Muskelabbau |
Die Studie liefert wichtige Hinweise darauf, dass Altersprozesse phasenweise besonders dynamisch sind. Für die Gesundheitsversorgung bedeutet dies, dass präventive Strategien und Vorsorgeuntersuchungen möglicherweise zeitlich fokussiert und an differenzierten Bedürfnissen ausgerichtet werden sollten. Weitere, grössere Studien sind nötig, um die Befunde zu bestätigen und konkrete Empfehlungen für Screenings und Interventionen abzuleiten.