Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer hat die Schweiz in einem Interview positiv bewertet und damit Hoffnungen geweckt, dass im laufenden Zollstreit eine Eskalation ausbleibt. Greer würdigte, dass die Schweiz aus Sicht der US-Regierung in vielen Punkten «die richtigen Dinge» tue, um die bilateralen Handelsfragen zu bereinigen.
«Die Schweizer machen viele der Dinge richtig, die sie tun müssen, um mit den USA klarzukommen.»
Was Greers Aussagen für die Schweiz bedeuten
Die Stellungnahme des amerikanischen Handelsbeauftragten wird in Wirtschafts- und Verbandskreisen als ermutigendes Signal verstanden: Sie deutet an, dass die US-Administration die Gespräche als konstruktiv einstuft. Greer machte zugleich deutlich, dass Verhandlungen weiterlaufen und es keine Garantien gebe; dennoch beschrieb er die Richtung als positiv.
Für Schweizer Unternehmen hat das Signal zwei unmittelbare Dimensionen: Erstens reduziert die Aussicht auf eine Deeskalation das Risiko kurzfristiger Handelshürden und zusätzlicher Zölle, die Exporte verteuern oder Lieferketten stören könnten. Zweitens schafft ein positiver Tonfall Spielraum für vertiefte Gespräche über Handelsungleichgewichte und strukturelle Fragen, die in Washington registriert sind.
Handelsbilanz: Zahlen und Bedeutung
Greer verwies ausserdem auf die Entwicklung der Handelsbilanz zwischen den beiden Ländern. Laut Schweizer Zollstatistik fiel die Bilanz in den ersten fünf Monaten des Jahres zugunsten der USA aus — mit einem Saldo von 4,3 Milliarden Franken. Ursache hierfür sind insbesondere hohe Edelmetallimporte in die Schweiz, die im gleichen Zeitraum in der Statistik mit einem Plus von 16,8 Milliarden Franken verzeichnet wurden.
| Zeitraum | Saldo (CHF) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Januar–Mai (laufendes Jahr) | +4,3 Mrd. | Saldo zugunsten der USA, laut Schweizer Zollstatistik |
| Januar–Mai (Edelmetalle) | +16,8 Mrd. | Treiber des Handelsbilanzsaldo |
Diese Zahlen erklären, warum Washington das Verhältnis genau beobachtet: Starke Rohstoff- und Edelmetallströme können das statistische Bild verzerren und in der politischen Wahrnehmung als Handelsungleichgewicht interpretiert werden.
Praktische Folgen für Wirtschaft und Politik
Für exportorientierte Branchen und Investoren ist die Fortsetzung konstruktiver Gespräche wichtig. Positive Signale können:
- Unsicherheit auf den Märkten reduzieren und Planbarkeit für Exporteure verbessern,
- Investitionsentscheidungen erleichtern, weil das Risiko zusätzlicher US-Zölle sinkt,
- Dialogchancen für strukturelle Lösungen eröffnen, statt kurzfristig isolierende Massnahmen zu forcieren.
Gleichzeitig bleibt Vorsicht geboten: Greer betonte, dass nichts garantiert sei. Die aktuellen Zölle beziehungsweise vorläufigen Massnahmen bleiben bis zu ihrem offiziellen Ablaufdatum verbindlich; nach Informationen aus der Berichterstattung laufen die aktuellen Zölle am 24. Juli aus. Bis dahin können Verhandlungen zu Fortschritten führen oder aber wieder ins Stocken geraten.
Ausblick
Die Schweiz profitiert von positiven Signalen aus Washington, aber die Lage ist nicht entschärft, solange offene Fragen bestehen. Entscheidend wird sein, ob die Handelsverhandlungen kurzfristig konkrete Vereinbarungen hervorbringen — etwa zu statistischen Verzerrungen durch Edelmetallströme oder zu weiteren Investitionszusagen Schweizer Unternehmen in den USA. Gelingt das, könnte ein erneuter Zoll-Schock abgewendet werden. Scheitern die Gespräche, bliebe die Option restriktiver Massnahmen auf dem Tisch.