Projekt vorerst gestoppt
Die Stadt Zürich hat die geplante öffentliche Ausschreibung für ein millionenteures Projekt zur Abscheidung und dauerhaften Speicherung von CO2 aus Klärschlamm abgebrochen. Das Projekt, das von den Stimmberechtigten im September 2024 befürwortet worden war, hätte am Standort Werdhölzli entstehen sollen. Ziel war es, jährlich rund 25'000 Tonnen CO2 nicht mehr in die Atmosphäre entweichen zu lassen, sondern einen Teil in Recyclingbeton zu integrieren und den anderen Teil in geologischen Formationen unter der Nordsee einzulagern.
Was geplant war — und was nun steht
Der Plan sah vor, die bei der Verbrennung des gesamtkantonalen Klärschlamms anfallenden Emissionen von jährlich rund 20'000 Tonnen CO2 sowie weitere rund 5'000 Tonnen CO2 von einer Biogas-Aufbereitungsanlage zu erfassen. Die von der Stadt kommunizierten Kosten beliefen sich auf einmalig 35,5 Millionen Franken plus jährliche Betriebskosten von 14,2 Millionen Franken. Baubeginn war ursprünglich für diesen Herbst geplant, der Betriebsstart Ende 2028.
Grund für den Abbruch der Ausschreibung
Die Stadt liess die Ausschreibung abbrechen, weil die Anforderungen an die Ausschreibung als zu komplex bewertet wurden. Konkrete Details zu technischen oder rechtlichen Problemen wurden in der Mitteilung nicht vollständig ausgeführt. Der Entscheid bedeutet, dass die Stadt das Vergabeverfahren neu aufsetzen und die Unterlagen überarbeiten muss, bevor ein Bauauftrag vergeben werden kann.
Konsequenzen für Klima- und Entsorgungsziele
Für die Zürcher Klimapolitik ist der Rückschlag spürbar: Das Projekt galt als Pioniervorhaben auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen. Die Verzögerung hat mehrere unmittelbare Folgen für die Bevölkerung und die kantonale Planung:
- Die geplante Reduktion der eingesetzten CO2-Mengen kann nicht wie vorgesehen ab 2028 erreicht werden.
- Haushalte und Unternehmen im Kanton müssen weiterhin mit den bisherigen Entsorgungs- und Emissionsstrukturen rechnen, bis eine neue Lösung steht.
- Die finanziellen Folgen sind offen: bereits veranschlagte Mittel und Planungsaufwände müssen überprüft werden.
Nächste Schritte und offene Fragen
Die Stadtverwaltung muss nun das Ausschreibungsverfahren überarbeiten und neu ausschreiben. Dabei dürften technische, rechtliche und wirtschaftliche Vorgaben überprüft werden. Wann eine erneute Ausschreibung startet und ob die ursprünglichen Kosten- und Zeitpläne gehalten werden können, hat die Stadt vorerst nicht verbindlich festgelegt.
Was Betroffene und Steuerzahlende wissen sollten
Für Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Zürich ist wichtig:
- Die Verbrennungsanlage am Werdhölzli bleibt in Betrieb; Emissionen aus Klärschlamm werden vorläufig weiter freigesetzt.
- Weitere Informationen zur Neuauflage der Ausschreibung, zu Kosten und zu möglichen Alternativlösungen werden von der Stadtverwaltung erwartet.
- Bei politischen Fragen zum weiteren Vorgehen dürfte das Thema in kommunalen und kantonalen Gremien wieder aufgegriffen werden, da das Projekt zuvor politisch abgestützt war.
| Geplante Zahl | Angabe |
|---|---|
| Jährliche CO2-Menge | 25'000 Tonnen |
| Einmalige Kosten | 35,5 Millionen Franken |
| Jährliche Zusatzkosten | 14,2 Millionen Franken |
| Ursprünglicher Betriebsstart | Ende 2028 |
Die Abkehr vom laufenden Ausschreibungsverfahren markiert einen Wendepunkt für das Projekt. Ob und wie schnell die Stadt Zürich die Vorgaben anpasst und die Umsetzung neu startet, wird entscheiden, ob dieses Vorhaben weiterhin als Modellprojekt für CO2-Abscheidung und -Speicherung dienen kann.