Eine Ausstellung und ein unverkennbarer Stil
Im Cartoonmuseum Basel steht derzeit eine US-amerikanische Künstlerin im Zentrum, deren Arbeiten seit ihrem Auftauchen in der Szene als Meilenstein gelten: Emil Ferris. Die Schau versammelt Werke der Autorin von «My Favorite Thing Is Monsters», einer Graphic-Novel-Reihe, die in zwei Bänden 2017 und 2024 erschienen ist und ihr über Nacht breite Anerkennung verschaffte.
Ferris' Arbeiten zeichnen sich durch eine ungewöhnliche, zugleich intime Handhabung des Bildmediums aus: Ihre Illustrationen entstehen vorwiegend mit dem Kugelschreiber, ein Werkzeug, das sie seit der Kindheit verwendet und das den Zeichnungen eine dichte, kratzige Textur verleiht. Dieses detailreiche, handschriftliche Register steht im Zentrum der Ausstellung und erklärt einen Teil der Faszination, die von ihren Notizbuch-seitigen Bildwelten ausgeht.
Biografie als Kraftquelle
Die Ausstellung rückt nicht nur die Bilder, sondern auch die Lebensgeschichte Ferris' in den Blick. Die Künstlerin, die nach einer Lähmung das Zeichnen wieder erlernte, hat ihre Erfahrungen und ihre Hartnäckigkeit in die Entstehung ihrer Graphic Novels einfliessen lassen. Solche Biografien verändern die Lesart der Werke: Sie geben den detaillierten Zeichnungen eine zusätzliche Ebene und lassen die Künstlerinnenhand als Überlebensstrategie erscheinen.
„Ich weiss es einfach“, versichert die Künstlerin — in Bezug auf die anstehende Begegnung mit einer Katze namens Ralph.
Dieses kleine, charmante Detail zur Pressekonferenz illustriert Ferris' eigenwillige Präsenz. Zur Schweizer Schau erschien sie mit einem Hexenhut, ein Bild, das ihrer öffentlichen Figur einen Hauch von Verspieltheit und Ritual verleiht.
Werk, Erzählweise und Wirkung
Die beiden Bände erzählen die Geschichte von Karen, einem jungen Mädchen mit einer Vorliebe für Horror und Detektivgeschichten; die Protagonistin verfasst und illustriert ihr Leben wie ein Tagebuch. Ferris' Kombination aus Popkulturreferenzen, klassischer Kunstgeschichte und persönlicher Erinnerung erzielt eine erzählerische Sogwirkung, die Leserinnen und Leser in eine sehr private Perspektive zieht.
- Technik: Kugelschreiber als zentrales Medium
- Form: Graphic Novel im Tagebuchformat
- Publikationen: zwei Bände, 2017 und 2024
Die Ausstellung im Cartoonmuseum Basel bietet die Gelegenheit, die Originalarbeiten in ihrer Materialität zu betrachten: die Dichte der Linien, die Irritationen und das gleichzeitige Charisma einer Stimme, die buchstäblich und bildlich mit Nachdruck zeichnet.
| Werk | Erscheinungsjahr |
|---|---|
| My Favorite Thing Is Monsters – Band 1 | 2017 |
| My Favorite Thing Is Monsters – Band 2 | 2024 |
Für die Schweizer Öffentlichkeit eröffnet die Schau nicht nur einen Blick auf eine prägende Gegenwartskünstlerin, sie zeigt auch, wie persönliche Widrigkeiten, handwerkliche Konsequenz und erzählerische Originalität zusammenwirken, um neue Standards im zeitgenössischen Comic zu setzen.