Die historische Stadt Hue hat einen Wandel in ihrer Entwicklungsstrategie angekündigt: Kultur ist nicht mehr nur ein Bereich, der staatliche Mittel benötigt, um Traditionen zu erhalten, sondern wird als zentraler Treiber für Wachstum und Identität verstanden. Mit dem Plan Nr. 318/KH-UBND konkretisiert das Volkskomitee von Hue die Umsetzung der Resolution 80-NQ/TW des Politbüros und setzt damit ein deutliches Zeichen für die Neupositionierung kultureller Ressourcen.
Vom Bewahren zum Wirtschaftsfaktor
Hue hat nach eigener Einschätzung keine grossen Vorteile in Schwerindustrie, Ackerflächen oder als Finanzzentrum. Was die Stadt prägt, ist ihr kulturelles Erbe: Denkmalstätten, traditionelle Handwerke, die Küche und textile Gewohnheiten wie das Ao Dai. Der neue Plan fokussiert deshalb auf die Umwandlung dieser Werte in nachhaltige Entwicklungsquellen. Damit folgt Hue internationalen Vorbildern wie Kyoto oder Florenz, die Kultur nicht nur konservieren, sondern aktiv in Bildung, Tourismus und kreatives Schaffen überführen.
Die Prioritäten des Plans umfassen mehrere Bereiche, die miteinander verzahnt werden sollen:
- Kulturwirtschaft und Förderung kreativer Unternehmen
- Kreativtourismus und Nachtleben als Attraktion
- Kulturprodukte mit starker Marke «Hue»
- Digitale Erfassung kultureller Daten und Entwicklung von Kino- und Veranstaltungsräumen
„Die Resolution 80-NQ/TW des Politbüros stellt klar, dass Kultur zu einer intrinsischen Stärke und einer Ressource für die nationale Entwicklung werden muss.“
Dieses Selbstverständnis verschiebt die Perspektive: Kultur soll nicht länger nur Aufgabe staatlicher Subventionen sein, sondern wirtschaftliches Potenzial entfalten. Dazu gehört auch, kulturelle Angebote marktfähig zu machen, kreative Räume zu schaffen und lokales Handwerk in moderne Wertschöpfungsketten einzubinden.
Chancen und Herausforderungen
Der Plan eröffnet Chancen: Touristische Nachfrage kann gesteigert, Arbeitsplätze in Kultur- und Kreativbranchen geschaffen und lokale Identität gestärkt werden. Hue will nicht nur Besucherzahlen erhöhen, sondern die kulturelle Substanz in Produkte, Dienstleistungen und Bildungsangebote transformieren. Gleichzeitig sind Risiken vorhanden. Eine kritische Balance zwischen Kommerzialisierung und Erhalt authentischer Traditionen wird nötig sein, damit kulturelles Erbe nicht zu reiner Kulisse verkommt.
Die Umsetzungsaufgaben sind vielfältig und verlangen koordinierte Politik, Investitionen in digitale Infrastruktur sowie partnerschaftliche Modelle zwischen Verwaltung, Kreativen und der Privatwirtschaft. Der Plan signalisiert jedoch klar, dass Hue diese Herausforderung annimmt und Kultur als strategische Ressource begreift.
| Fokusfelder | Ziel |
|---|---|
| Kulturwirtschaft | Wertschöpfung durch kreative Unternehmen |
| Kreativtourismus & Nachtleben | Attraktivitätssteigerung für Besucher |
| Digitale Kulturdaten | Erhalt, Zugänglichkeit und Vermarktung |
Hue zeigt mit diesem Plan, dass Städte ohne schwere Industrie oder grosse Agrarflächen ihre Geschichte und Kultur als tragfähige Grundlage für Entwicklung nutzen können. Entscheidend wird sein, wie die Theorie in konkrete Projekte, nachhaltige Arbeitsplätze und faire Beteiligungsmodelle für lokale Akteurinnen und Akteure übersetzt wird.