Bernhards späte Satire trifft regionales Publikum
Im frisch renovierten Stadttheater Gmunden hat die Premiere von Thomas Bernhards vorletztem Theaterstück „Elisabeth II. Keine Komödie“ bei den Salzkammergut-Festwochen für Aufmerksamkeit gesorgt. Das selten gespielte Werk, entstanden 1987, befasst sich auf beißende Weise mit Großbürgertum, provinzieller Idylle und der Abneigung eines alten Wiener Industriellen gegen seine mühsamen Gäste.
Starke Rolle für Sven-Eric Bechtolf
Die Produktion, eine Koproduktion der Festwochen mit dem Linzer Landestheater, lebt vor allem von der zentralen Leistung: Sven-Eric Bechtolf steht in der Hauptrolle des Herrenstein fast durchgehend im Rampenlicht und zeigt die ganze Palette des grantigen Greises. In vielen Szenen dominiert seine Figur das Geschehen, das Publikum reagierte insbesondere ortskundig mit häufigem Gelächter.
- Sven-Eric Bechtolf als Herrenstein (Wiener Industrieller)
- Christian Higer als Richard (Butler)
Widerborstiger Ton und lokale Bezüge
Bernhards Text ist gespickt mit harten Bildern und Verallgemeinerungen über das Salzkammergut: Die angeblich schöne Gegend «hat immer nur Nazis angezogen», heisst es im Stück; die Häuser in Altaussee werden als «muffig, feucht-kalt, scheußlich» beschrieben. Solche Formulierungen riefen beim Publikum, das die Region kennt, wiederholt Reaktionen hervor. Die Nähe Bernhards zur Gegend ist dokumentiert: Er besass ein Bauernhaus in Ohlsdorf und frequentierte Gmundner Kaffeehäuser, oft um Zeitungen zu lesen.
„Die angeblich schönste Gegend von Österreich ‹hat immer nur Nazis angezogen›.“
Beziehungen von Herr und Diener
Die Bühne zeigt ein kompliziertes Machtverhältnis: Herrenstein, im Rollstuhl und sehschwach, regiert über seine Gesellschaft und richtet seine Verachtung gegen Vertreter des Großbürgertums und der Sozialdemokratie. Sein Butler Richard — gespielt von Christian Higer — mündet in eine komplexe Herr‑und‑Diener‑Beziehung, in der Higer souverän agiert; die Rolle umfasst auch schließlich körperliche Misshandlungen durch den Hausherrn.
Produktionskontext und Ausblick
Kuratiert wurde die Festwochen-Produktion von der Literatur‑ und Theaterleiterin Karin Bergmann, die inzwischen Intendantin der Salzburger Festspiele ist. Laut Ankündigung ist das Stück ab dem 11. Oktober im Linzer Landestheater zu sehen. Die Premiere in Gmunden zeigt, wie Bernhards pointierte Gesellschaftssatire in einem regionalen Kontext erneut Diskussionen auslöst und dem Theaterpublikum nahelegt, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.
| Element | Details |
|---|---|
| Stück | „Elisabeth II. Keine Komödie“ (Thomas Bernhard, 1987) |
| Premiere | Salzkammergut-Festwochen, Stadttheater Gmunden |
| Koproduktion | Salzkammergut-Festwochen & Linzer Landestheater |
| Hauptdarsteller | Sven-Eric Bechtolf (Herrenstein); Christian Higer (Richard) |
Die Inszenierung verbindet lokale Bezüge mit einer fokussierten Schauspielleistung und wird in Linz weiter gezeigt — ein Anlass, Bernhards Umgang mit österreichischer Gesellschaftskritik erneut zu erleben und zu diskutieren.