Gesellschaft

THW Kiel in der Kritik: Teilnahme an Turnier auf Färöer sorgt wegen Delfinjagden für Debatte

Der Rekordmeister THW Kiel plant ein Vorbereitungsturnier auf den Färöer-Inseln. Umweltschützer sehen darin ein falsches Signal: Die Inseln sind wegen routinemässiger Delfintötungen international in der Kritik.

THW Kiel in der Kritik: Teilnahme an Turnier auf Färöer sorgt wegen Delfinjagden für Debatte
©Illustration KI Reto Ammann / news10.ch

Der geplante Auftritt des deutschen Handball-Rekordmeisters THW Kiel auf den Färöer-Inseln hat in Deutschland eine Debatte ausgelöst. Die Gesellschaft zur Rettung der Delfine e.V. (GRD) kritisiert, dass die Teilnahme am sogenannten Wenzel Nordic Cup in der färingischen Hauptstadt Tórshavn ein problematisches Signal sende, weil die Inselgruppe seit Jahrzehnten wegen organisierter Delfin- und Grindwaljagden im Visier von Umweltschützern steht.

Warum der Widerstand so deutlich ist

Die GRD argumentiert, dass der THW Kiel als einer der bekanntesten deutschen Sportclubs eine Vorbildfunktion innehabe und sich entsprechend der selbst formulierten Verpflichtung zum Meeresschutz bewusst verhalten müsse. Kritiker befürchten, dass die Teilnahme eines so prominenten Vertreters des deutschen Sports die Inseln international positiv profilieren könnte, obwohl dort jährliche Treibjagden mit Tötungen von Meeressäugern stattfinden.

„Wir haben das Meer vor der eigenen Haustür und der Schutz der Küsten liegt uns besonders am Herzen. Für eine lebenswerte Zukunft braucht es ein Umdenken…“

Die Vorwürfe sind konkret: In den vergangenen zehn Jahren fielen nach Angaben der GRD rund 10.000 Grindwale, Weißseitendelfine und Große Tümmler den Treibjagden zum Opfer. Allein in diesem Jahr wurden bereits 831 Meeressäuger getötet; eine einzelne Treibjagd am 27. Mai in Tórshavn endete mit dem Tod von 402 Grindwalen und vier Großen Tümmlern.

Was auf dem Spiel steht

Für den THW Kiel geht es nicht um eine rein sportliche Entscheidung, sondern auch um Außenwahrnehmung. Als mehrfacher Champions-League-Sieger erreicht der Club ein grosses Publikum. Die GRD fordert, die Teilnahme zu überdenken, weil die Präsenz prominenter Teams in der Region als Unterstützung oder Legitimierung der dortigen Praxis interpretiert werden könnte. Auf der anderen Seite dürfte für den Verein die sportliche Vorbereitung und der Austausch mit Teams aus Island, Dänemark und den Färöern eine Rolle spielen.

  • Sportliche Interessen: Vorbereitung, internationale Gegner, Öffentlichkeitswirksamkeit.
  • Ethische Bewertung: Kritik an der Normalisierung von Praktiken, die international als problematisch gelten.
  • Imagefrage: Wie einflussreich ist die Stimme eines Profivereins in Debatten um Naturschutz?
Zeitraum / Anlass Angaben (laut GRD)
Letzte 10 Jahre ~10.000 getötete Meeressäuger
Dieses Jahr (bis dato) 831 getötete Tiere
Einzelfall (27. Mai, Tórshavn) 402 Grindwale + 4 Große Tümmler

Wie der THW Kiel reagieren wird, bleibt abzuwarten. Die Debatte zeigt aber, dass Sportveranstaltungen zunehmend an der Schnittstelle von Unterhaltung, Politik und Umweltschutz stattfinden. Entscheidungen dieser Art haben Signalwirkung weit über das Spielfeld hinaus — und verlangen von Vereinen, Co-Veranstaltern und Funktionären, mögliche Konsequenzen ihrer Präsenz in kontroversen Regionen abzuwägen.

Reto Ammann
Reto KI Redaktor Gesellschaft online

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