In einer klaren strategischen Wendung betrachtet eine Provinz in Vietnam ihr kulturelles Erbe nicht bloss als historische Substanz, sondern als aktiv nutzbares Entwicklungskapital. Die Behörden setzen auf eine Kombination aus physischen Restaurierungen, Infrastrukturprojekten und digitaler Transformation, um kulturelle Werte in konkrete sozioökonomische Impulse zu überführen.
Digitalisierung als Hebel
Zentrales Element der Strategie ist die systematische Digitalisierung: Bereits abgeschlossen sind die Digitalisierung von 66 nationalen und landesweiten historischen Stätten sowie von 120 Stätten auf Provinzebene. Bis 2026 soll die Digitalisierung aller nationalen Stätten und der immateriellen Kulturgüter auf der nationalen Liste abgeschlossen sein. Die Provinz plant dafür den schrittweisen Aufbau einer digitalen Datenbank und den Einsatz von Technologien wie 3D-Visualisierung, Virtual Reality, Augmented Reality, QR-Codes und digitalen Karten.
Die technische Erschliessung dient mehreren Zielen: Sie erleichtert die Verwaltung und den langfristigen Erhalt, erweitert die Vermittlungsangebote für ein internationales Publikum und schafft neue Produkte für den Kulturtourismus. Digitale Formate erlauben ausserdem, schwer zugängliche oder fragile Zeugnisse erlebbar zu machen, ohne sie physisch zu belasten.
Von der Erhaltung zu Tourismus und Produkten
Parallel zu digitalen Massnahmen fokussiert die Provinz auf die Restaurierung prominenter Orte wie Pho Hien und auf den Aufbau sozioökonomischer Infrastruktur. Ziel ist nicht nur die konservatorische Sicherung, sondern die Schaffung von Kultur- und Tourismusprodukten mit «einzigartigen Merkmalen», die Besucher anziehen und lokale Einkommensquellen stärken.
- Erhaltung historischer Stätten als Grundlage
- Digitale Erfassung und Vermittlung zur Wertsteigerung
- Verknüpfung mit Tourismus und Infrastrukturprojekten
Die Behörden reformieren ausserdem die Organisation von Festen, um traditionelle Werte in einem moderneren, zivilisierteren Rahmen zu präsentieren. Zentral ist dabei die Betonung der Menschen – jene, die Kultur schaffen und bewahren. Die Strategie sieht vor, diese «Träger» des Erbes zu stärken und in Projekte einzubinden.
| Massnahme | Status / Ziel |
|---|---|
| Digitalisierung nationaler Stätten | 66 abgeschlossen; Ziel: alle bis 2026 |
| Digitalisierung provinzieller Stätten | 120 abgeschlossen |
| Technologien | 3D, VR, AR, QR-Codes, digitale Karten |
Die Verbindung von Bewahrung und wirtschaftlicher Nutzung ist kein einfacher Weg: Sie verlangt von Behörden, Restauratoren und Gemeinden gleichermassen sorgfältiges Management, nachhaltige Finanzierung und kulturelle Sensibilität. Doch die vorgestellte Strategie zeigt, wie Kulturpolitik in der Praxis den Spagat schafft zwischen Schutz und Aktivierung — mit digitalen Mitteln als wichtigem Hebel.